"Stimmige Kommunikation bedeutet persönlich authentisch und gleichzeitig der konkreten Situation angemessen zu agieren."
"Stimmige Kommunikation bedeutet persönlich authentisch und gleichzeitig der konkreten Situation angemessen zu agieren."
Warum es „stimmig sein soll“ – Rhea Schwering im Mitarbeitendeninterview mit Hanna Hellenbroich-Schrader (HR-Managerin).
Liebe Rhea, schön, dass du bei mir im Gespräch bist. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir uns damals beim actori alumni/-ae Stammtisch über eine mögliche Beraterinnentätigkeit deinerseits unterhalten haben. Du hattest schon einmal ein Praktikum (2016) bei dem Team an der Bayerischen Staatsoper gemacht.
Hallo Hanna, ja, ich erinnere mich auch gut daran. Ich war schon mit dir in Kontakt wegen meiner Bewerbung und wollte unbedingt pünktlich zum Stammtisch kommen, um einen guten Eindruck zu hinterlassen – mit dem Resultat, dass ich die Erste dort war und wohl etwas übereifrig wirkte (lacht). Es freut mich sehr, dass es mich wieder zu actori verschlagen hat.
Das hören wir gern. Du hast im Mai 2023 bei actori in der Beratung angefangen. Wie hat dein Weg vom Studium Communication & Cultural Management an der Zeppelin Universität und dein berufsbegleitender Master in Organisations- und Personalentwicklung dich zurück zu actori geführt?
Kunst und Kultur – besonders Musik war schon immer ein Teil meines Lebens. Ich habe in meiner Freizeit viel im Chor gesungen und mich für kulturelle Schulprojekte engagiert. Erste Berufserfahrungen im Rahmen eines FSJ beim Stuttgarter Kammerorchester haben mich dann darin bestätigt, „irgendwas mit Kultur“ machen zu wollen, daher das Studium. Die verschiedenen Stationen nach dem Studium beschreiben – wenn ich mir das retrospektiv so anschaue – auch die Entwicklung von einer individuellen zu einer strategischen Perspektive im Kulturkontext: In der Agentur Karsten Witt Musik Management waren einzelne Musiker/-innen mein Fokus, bei der Gasteig München GmbH ging es übergeordnet um die Rolle eines Kulturhauses in der Stadtgesellschaft und nun bei actori nehme ich regelmäßig eine übergeordnete strategische Perspektive ein.
Meine Station vor actori – danach hattest du ja auch gefragt – war in der strategischen Personalentwicklung eines Konzerns. Bei diesem kleinen „Ausflug“ aus der Kultur-Bubble konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln, die mich bis heute begleiten. Zum Beispiel hat diese Zeit mein Bewusstsein für die unmittelbare Verbindung zwischen Personalstrategie und übergeordneter Strategie geschärft: Maßgeblich ist die Unternehmensstrategie, die vom Personalbereich in der Umsetzung unterstützt wird. Das klingt erstmal trivial und logisch, wenn dann jedoch individuelle Ideen, Meinungen und Herausforderungen mit Planungszyklen dazu kommen, wird es richtig interessant (lacht). Strategische Ziele im Rahmen von Personal- und Organisationsentwicklung umzusetzen ist auch in meinen actori-Projekten immer wieder ein Thema und es freut mich sehr, bei actori der Kunst und Kultur wieder ein gutes Stück näher zu sein. Das hatte mir dann doch gefehlt!
Bei actori hast du in den letzten Jahren viele Projekte begleitet, bei denen u. a. Beteiligungsprozesse eine wichtige Rolle gespielt haben. Dabei ist das kommunikative Management der unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure ein zentraler Punkt. Ist das Thema Kommunikation etwas, das dir in den Projekten besonders Freude bereitet?
Allgemein gesprochen: Ja. Kommunikation hat dabei viele Facetten. Zielgruppenspezifisches Aufarbeiten von Informationen und Texten und deren Präsentation ist ein zentraler Punkt in Prozessen mit vielen beteiligten Interessensgruppen. Eine transparente Informationslage ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist für mich persönlich die noch spannendere: Mit anderen Menschen in Kontakt gehen und eine Beziehung herstellen. In Beteiligungsprojekten ist der Kontext hierbei entscheidend: Geht es beispielsweise um ein heikles Thema? Oder möchte man Details verstehen oder heraushören? Unterschiedliche Settings erfordern eine jeweils andere Art der Beziehungsgestaltung, eines ist aber allen gemein: In einem guten Kontakt sein hat immer etwas mit meinem eigenen, ehrlichen Interesse an der Perspektive des Gegenübers zu tun.
Diesen November habe ich eine Coaching-Ausbildung beim Schulz von Thun Institut abgeschlossen – diese Ausbildung hat meinen Blick auf Kommunikation mal deutlich präzisiert. Letztlich sehe ich es als meine Aufgabe (im Einzelcoaching und in beteiligungsintensiven Projekten gleichermaßen), die Prozessverantwortung zu übernehmen und durch Struktur dafür zu sorgen, dass Inhalte oder Fragestellungen erfolgreich bearbeitet werden können, sprich mit einem konkreten Ergebnis, das allen Beteiligten weiterhilft.
Um hier eine kleine Brücke zur Musik zu schlagen: Für mich ist das „in Kontakt sein“ vergleichbar mit dem Live-Moment im Konzert. Das ist etwas, das nicht durch KI generiert werden kann und nur eingeschränkt über digitale Tools funktioniert.
Stichwort „Weiterentwicklung“, was würdest du sagen, an welchem Projekt bist du in den vergangenen Jahren am meisten persönlich gewachsen und warum?
In einem Change-Prozess, den ich begleitet habe, gab es einen Punkt, an dem ich selbst mit dem Fortschritt des Projekts ähnlich frustriert war, wie das Leitungsteam. Damit hatte ich kurz die Hände vom Steuerrad genommen und wusste selbst nicht mehr weiter. Das ist nicht unbedingt eine optimale Voraussetzung, mit der man in der Rolle der Prozessverantwortlichen gut in Kontakt gehen kann. Das kommt wohl davon, wenn die emotionale Involviertheit überhandnimmt (lacht). Als ich das für mich reflektiert hatte, musste ich schmunzeln. Sensibilität für meine eigene emotionale Verfassung und Involvierung ist jedenfalls ein Learning aus diesem Aha-Moment.
Liebe Rhea, ich kann mir denken, dass dir auch das Mentoring für die Praktikantinnen und Praktikanten bei actori eine große Freude bereitet, kann man Techniken aus der Coaching Ausbildung hier übertragen?
Ja und nein. Auf der einen Seite sind Fragetechniken übertragbar, aber das bezieht sich nicht nur auf das Mentoring oder die Verantwortung für Praktikantinnen und Praktikanten, sondern auf alle Projektkontexte. Auch könnten Konzepte und Modelle im Hinterkopf helfen, Situationen für sich zu sortieren.
Auf der anderen Seite ist Coaching ein klares Auftragsgeschäft. Wenn ich in meinen Mentoring-Gesprächen plötzlich offensichtliche Coaching-Fragen stellen würde, würden sich meine Mentees zurecht fragen, was ich damit bezwecke (lacht). Letzten Endes geht es bei einer Coaching-Beziehung darum, dass gemeinsam ein klarer Auftrag definiert wird. Ich als Prozessverantwortliche unterstütze meinen Coachee dabei, bezogen auf diesen Auftrag im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe Lösungen zu erarbeiten.
Grundsätzlich sind die Betreuung und das Mentoring von Praktikantinnen und Praktikanten Aufgaben, die mir viel Freude bereiten!
Zum Abschluss wollen wir natürlich auch etwas über deine außerberuflichen Interessen erfahren. Bei deinem Einstellungsgespräch hast du damals begeistert von deiner Mitgliedschaft in einem Chor berichtet. Erzähl doch mal – gibt es Parallelen zwischen Chorsingen und gutem Kommunizieren?
Das ist eine interessante Frage. Ich glaube, beim Chorsingen gibt es viele Aspekte, die auch für eine gelungene Kommunikation relevant sind. Man hört einander zu und fügt sich in einen Gesamtklang ein - ein unfreiwilliges Solo ist vergleichbar mit einem Kommunikations-Fauxpas im sozialen Kontext (lacht). Man tut das, indem man sich selbst und seine eigene Stimme kontrolliert und bestmöglich an das große Ganze anpasst. Es hat also viel damit zu tun, was sich um mich herum befindet und was im wahrsten Sinne „stimmig“ ist. Das bezieht sich auch auf gelungene Kommunikation, nämlich persönlich authentisch bzw. stimmig und gleichzeitig der konkreten Situation angemessen zu kommunizieren. Ja, das ist tatsächlich eine schöne Parallele zwischen Kommunikation und Chorsingen. Danke für die Frage, es ist spannend darüber nachzudenken!