"Man muss flexibel bleiben und darf vor allem den Humor nie verlieren."
"Man muss flexibel bleiben und darf vor allem den Humor nie verlieren."
Liebe Rebecca, schön, dass du bei mir im Interview bist. Ende des Jahres 2023 bist du als Architektin zu uns in die Beratung gekommen, erzähl doch mal, wie und woher du zu actori gekommen bist.
Hallo Hanna, Dankeschön. Schon früh, noch während meines Bachelorstudiums in Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart, habe ich angefangen Arbeitserfahrung in verschiedenen, teils internationalen Architekturbüros zu sammeln. Hier habe ich hauptsächlich Projekte in den ersten Leistungsphasen, also vom Wettbewerb bis zur Genehmigungsplanung unterstützt. Um meine Entwurfskenntnisse zu vertiefen habe ich später dann noch einen Master in Architektur an der TU in München gemacht sowie anschließend in einem größeren Münchner Büro in der Ausführungsplanung und Baustellenkoordination gearbeitet. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mich vor allem die konzeptionelle Ebene, die einem größeren Bauprojekt vorausgeht, reizt.
Wenn ich hier mal einen Aspekt rausgreifen darf, Stadtplanung, ein in den letzten Jahren zunehmend relevantes Thema für Städte und Gemeinden, was bringst du hier aus deiner bisherigen Erfahrung bei actori im Bereich Bau und Nutzung mit ein?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt, der mich persönlich stark umtreibt. Mein Studium der Architektur und Stadtplanung war da sicher prägend. Ich habe früh gemerkt, dass das Interesse von Planenden über das eigentliche Gebäude hinausgehen muss und um wirklichen Mehrwert zu schaffen im städtischen Kontext liegt. Besonders deutlich wurde das auch während meiner Zeit am Institut für International Urbanism an der Universität Stuttgart, in der wir uns mit Bildungsbauten und deren Mehrwert für die (Stadt-)Gesellschaft beschäftigten. Auch bei actori betreue ich aktuell Bildungsprojekte und versuche hier bewusst, die kulturelle und soziale Funktion von Anfang an mitzudenken. Ein Schulcampus kann zum Quartierstreffpunkt werden, eine Bibliothek zum Kulturzentrum für alle Generationen, auch Umnutzungen sind in vielerlei Ausprägungen möglich. Gerade in den frühen Phasen von Projekten, also Leistungsphase 0 kann auf solche Zusammenhänge und ggf. Optionen eingegangen werden.
Wie spannend! Liebe Rebecca, nun weiss ich ja von einer weiteren großen Leidenschaft von dir, neben der Architektur, nämlich den Bergen und dem Sport. Welche Rolle spielen hier Zielsetzungen und Leistung für dich? Und gibt es eine Parallele zu deiner Arbeit bei actori?
Oh, die Parallelen sind definitiv da. Am Berg, wie auch in der Architektur bei actori schaut man sich oft einen Plan an, sei es ein Lageplan oder eine Wanderkarte, und denkt: „Sieht machbar aus.“ In der Realität steht man dann nicht selten vor einer unerwarteten Herausforderung und fragt sich, wo die auf einmal herkam. Das kann ein plötzlich gesetzter Kostenrahmen oder ein 200-seitiges Raumprogramm sein, das über Nacht auftaucht. In beiden Welten geht es aber darum, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Man muss flexibel bleiben, manchmal eine neue Route nehmen und darf vor allem den Humor nicht verlieren. Und das gute Gefühl, wenn man es dann geschafft hat, ist auch dasselbe: pure Erleichterung und die sofortige, leise Frage: „Okay, was kommt als Nächstes?“
Eine private Frage an dich, welchen Gipfel möchtest du denn gerne noch erklimmen? (persönlich oder sportlich)
Das ist vielleicht etwas überraschend für jemanden, der so gern in den Bergen und im Schnee unterwegs ist, aber ich muss zugeben: Ich habe einen riesigen Respekt vor Gletschern. Deshalb wäre ein sehr persönlicher Gipfel für mich, es zu schaffen, diesen Respekt in Vertrauen zu verwandeln, also eine Tour zu machen, bei der ich mich auf einem Gletscher wirklich sicher und wohlfühle. Es geht also weniger darum, einen bestimmten Berg zu bezwingen, als vielmehr die eigene kleine Angst zu überwinden.