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Ein Bild von Michaela Herrmann

„Ich liebe das direkte, emotionale Arbeiten mit Menschen, aber ich denke auch gern in Systemen und Zielen.“

Von der Festivalleitung zur Strategieberaterin, Michaela Herrmann im Interview mit Hanna Hellenbroich-Schrader (HR-Managerin) über ihre Arbeit bei actori

 

Liebe Micky, du hast am 1. Oktober 2022 bei actori angefangen – wie war dein Weg zu uns?
Ich komme aus der Praxis, aus dem Kulturalltag: Als Veranstaltungskauffrau angefangen, habe ich anschließend berufsbegleitend Kultur- und Medienmanagement in Hamburg studiert und eigentlich immer gearbeitet – ob in der Gastro, im Veranstaltungsbereich oder bei Projekten im Bereich der Kulturvermittlung. Ich war lange beim Kreisjugendring München-Stadt beschäftigt und habe unter anderem das „OBEN OHNE Open Air“, ein großes Non-Profit-Festival für junge Menschen, mitorganisiert – zuletzt als Festivalleitung.

Heute berätst du Kulturinstitutionen strategisch – das ist ein ziemlicher Wechsel, oder?
Total! Denn ein Festival zu organisieren, ist eine immense Herausforderung, aber deshalb war ich noch lange keine Strategin. Operative Planung, umfangreiche Organisation, sorgfältige Disposition und ein gutes Maß an Improvisation folgen anderen Logiken als strategisches Arbeiten. Ich wollte raus aus dem Produktionsmodus, weg von der kurzfristigen Taktung – hin zu der Frage: Was macht Strukturen tragfähig und kulturelle Arbeit zukunftsfähig? Nichtsdestotrotz sind meine organisatorischen Fähigkeiten auch jetzt sehr hilfreich.

Wie ist dir dieser Spagat gelungen?
Vermutlich, weil ich beides mitbringe: das direkte, emotionale Arbeiten mit Menschen sowie das Denken in Systemen und Zielen; kurzzeitig habe ich sogar mal Chemie und Biochemie studiert – und Mathematik war schon immer mein Ding. Diese analytische Seite hat mir geholfen, den Perspektivwechsel zur Beratung zu machen. Zudem konnte ich durch die langjährige Tätigkeit im öffentlichen Sektor vieles direkt erleben, was unsere Kundinnen und Kunden beschäftigt.

Und fehlt dir das Festivalfeeling manchmal?
Natürlich. Dieses Dabeisein, das Gefühl vor Ort, wenn alles zusammenkommt – das vermisse ich manchmal. Aber actori hat mir das auch auf eine andere Art und Weise zurückgegeben. Hier bin ich mittendrin, nur eben konzeptioneller. Meine Meinung zählt und mir wird zugehört. Und nicht nur das, es entsteht etwas daraus – nicht immer sofort, aber im Rahmen des Machbaren. Ich finde es großartig, dass man sich in Themen einbringen kann, die einem wichtig sind (und natürlich mit den unternehmerischen Werten und Zielen konform gehen). Zum Beispiel darf ich die Bereiche Nachhaltigkeit sowie Gendersensibilität mitgestalten und weiterentwickeln.

Was bedeutet dir die Arbeit bei actori persönlich?
Die Kultur der Offenheit, würde ich sagen. Dass man nicht in eine Rolle gedrückt wird, sondern mit seinen Perspektiven und Stärken gesehen wird. Und, dass es Raum gibt, sich einzubringen – mit Erfahrung, mit Haltung und mit Ideen.
Gleichzeitig war ich überrascht, wie kollegial und herzlich der Umgang im Team ist. Meine Vorurteile gegenüber der Beratungswelt haben sich hier schnell in Luft aufgelöst – bei actori arbeiten wirklich engagierte, kollegiale und einfach sehr nette Menschen.

Gibt es Projekte, bei denen du deine Erfahrung aus dem Festivalalltag bereits einbringen konntest und wie war das für dich?
Wir haben für die Stadt Gießen eine Machbarkeitsstudie für ein Festivalgelände erstellt. Besonders schön war, dass ich bei diesem Projekt auf viele Erfahrungen aus meinem bisherigen Berufsleben zurückgreifen konnte. Vor allem die Gespräche mit potenziellen Veranstaltenden über praktische Herausforderungen haben bei mir viele Erinnerungen geweckt – an eigene Situationen, an Lösungen, an die besondere Dynamik eines Festivals.

Und was machst du außerhalb der Arbeit, vielleicht sogar, um abzuschalten?
Ganz ohne Festivaltrubel geht’s in meinem Alltag tatsächlich nicht: Ich engagiere mich weiterhin bei Veranstaltungen, teils auch ehrenamtlich.
Außerdem liebe ich es, auf Konzerte zu gehen oder mich selbst kreativ auszuleben – zum Beispiel in der Musikschule, wo ich gerade Schlagzeug lerne, zugegeben sehr langsam.
Und in meinem Herzen bin ich immer noch Basketballerin: Die ehemaligen Teamkolleginnen sind heute enge Freundinnen. Und manchmal zieht es mich einfach wieder zum Körbe werfen auf den Outdoor-Court oder zum Zuschauen in die Halle.

 

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