"Erfolgreiches Fundraising lebt von Vertrauen, langfristigen Partnerschaften und der gemeinsamen Begeisterung für Kunst und Kultur."
"Erfolgreiches Fundraising lebt von Vertrauen, langfristigen Partnerschaften und der gemeinsamen Begeisterung für Kunst und Kultur."
Lieber Martin, schön, dass du dir die Zeit nimmst. Du bist seit Mai 2025 Teil des actori-Teams und als solches Head of Sponsoring an der Semperoper, aber deine Geschichte mit dem Haus beginnt eigentlich viel früher, oder?
Liebe Hanna, mit der Semperoper verbindet mich eine sehr lange Geschichte, die bis zu meinen ersten Opernbesuchen im Jahr 1987 mit „Zar und Zimmermann“ und „La Traviata“ reicht. Damals war ich noch Schüler und durfte meine Eltern mit ihren Abonnementkarten begleiten. Diese Abende waren für mich etwas ganz Besonderes: Das einzigartige Haus und die Faszination und Sogwirkung, die von Musik und Bühne ausgingen. Seitdem nutzte ich jede Gelegenheit, weitere Aufführungen zu sehen und trat in den Jugendclub der Semperoper ein. Während meines Studiums konnte ich viele Spielzeiten als Komparse mitwirken und die Theaterwelt auch von der Bühnenseite aus kennenlernen – da gab es viele unvergessliche Abende!
Aus deinem Praktikum an der Semperoper im Jahr 2000 ist inzwischen ein ganzer Berufsweg geworden: BWL-Studium, eine Diplomarbeit über E-Commerce-Anwendungen in Theatern, die du als empirische Studie an der Semperoper geschrieben hast, Weiterbildungen in Marketing und ein Master of Laws. Was begeistert dich am Musiktheater?
Mich begeistert nicht nur das Musiktheater, sondern auch das Management von Kunst und Kultur in allen ihren Formen. An der Oper liebe ich die Musik – von Barock bis zur Moderne – und die immer wieder neuen Umsetzungen auf der Bühne. Ich mag aber ebenso Tanz, Schauspiel und das sinfonische Schaffen. Schon frühzeitig galt mein Interesse dem Management und Ermöglichen von Kultur; mit großer Freude trat ich daher meine erste Stelle an der Oper Leipzig an. Hier konnte ich in zehn Spielzeiten als Referent für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit einen enormen Erfahrungsschatz gewinnen.
Zwischen deinem Studium und actori lagen einige bedeutende Stationen: Oper Leipzig, Landesbühnen Sachsen, Dresdner Musikfestspiele. Was haben diese Stationen zu deinem Profil beigetragen?
Jede dieser Institutionen hat ihr eigenes künstlerisches Profil. An der Oper Leipzig, zu der auch das Leipziger Ballett und die Musikalische Komödie mit Operette und Musical gehören, stand die Kommunikation eines sehr vielfältigen Repertoires für ganz unterschiedliche Publikumsgruppen im Mittelpunkt. Die Landesbühnen Sachsen, ebenfalls ein Mehrspartenhaus und Deutschlands zweitgrößtes Reisetheater, sind mit ihren rund 600 Vorstellungen im Stammhaus, bei über 40 Gastspielpartnern in den Kulturräumen des Freistaats sowie auf der Felsenbühne Rathen präsent. Hier galt es ein Marketingkonzept zu entwickeln, das sowohl auf das Publikum vor Ort als auch auf ganz Sachsen ausgerichtet war. Mit den Dresdner Musikfestspielen wechselte ich zu einem der größten und renommiertesten Musikfestivals Europas. Zu meinen Schwerpunkten zählten neben der nationalen Vermarktung die Ansprache eines internationalen Publikums, die Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Partnern aus Kultur und Tourismus, Funk, TV und audiovisueller Medienproduktion sowie die Weiterentwicklung der digitalen Marketingaktivitäten. Eine besondere Rolle spielte zudem die Pflege und Intensivierung der Beziehungen zu Förderinnen und Förderern sowie Sponsorinnen und Sponsoren, die wesentlich zum Erfolg des Festivals beitrugen.
Du kennst den Opernbetrieb und das Musikfestival von innen, beides im Kultursektor und doch sehr unterschiedliche Welten. Wo merkst du den größten Unterschied, zum Beispiel im Sponsoring oder im Verhältnis zum Publikum?
Ein Opernhaus lebt vom regelmäßigen Spielbetrieb und der tiefen Verankerung in der Region. Ein Festival hingegen ist ein zeitlich konzentriertes Ereignis mit hoher internationaler Strahlkraft, projektbezogenen Strukturen und einer deutlich stärkeren Ausrichtung auf nationales und internationales Publikum. Sichtbar wird der Unterschied auch im Sponsoring. Im Opernbetrieb stehen langfristige Partnerschaften und eine kontinuierliche Präsenz im Vordergrund, während ein Festival von einer besonderen Dynamik lebt: Es kann Sponsorinnen und Sponsoren exklusive Erlebnisse, hohe mediale Aufmerksamkeit und eine zeitlich verdichtete Sichtbarkeit bieten. Dadurch ergeben sich andere Möglichkeiten der Inszenierung und Aktivierung von Partnerschaften.
Was begeistert dich an der Arbeit mit der Oper und was nimmst du nach der ersten Saison als persönliches Fazit mit?
Die Semperoper steht für höchste Qualität auf der Bühne und gleichzeitig lebt sie von den Menschen, die sich mit ihr verbunden fühlen. Genau diese Brücke zwischen Kunst, Publikum, Fördernden und Partnerschaften zu schlagen, macht meine Arbeit so spannend. Die Semperoper ist ein Leuchtturm der Dresdner Kulturlandschaft. Nach meiner ersten Saison konnte ich mich selbst davon überzeugen, wie viel Begeisterung und Identifikation dieses Haus auslöst. Für mich zeigt sich dabei immer wieder: Erfolgreiches Fundraising lebt von Vertrauen, langfristigen Partnerschaften und der gemeinsamen Begeisterung für Kunst und Kultur.
Gibt es Fundraising- oder Sponsoring-Aktivitäten, die du unbedingt weiterentwickeln möchtest? Kannst du schon einen kleinen Ausblick auf spannende Förderformate in der nächsten Spielzeit geben?
Die Semperoper ist im Fundraising und Sponsoring breit aufgestellt, von unseren treuen Partnerinnen und Partnern bis hin zum Freundeskreis Proszenio. Ein wichtiger Punkt ist die Pflege und Vertiefung bestehender Partnerschaften, denn Sponsoring basiert immer auf Gegenseitigkeit. Wir entwickeln derzeit Formate, die Menschen noch unmittelbarer mit der Semperoper verbinden und ihnen einen persönlichen, exklusiven Einblick in die Arbeit des Hauses ermöglichen. Wir arbeiten außerdem mit jungen Unternehmen aus Dresden zusammen, die ihre Leidenschaft für die Oper einbringen möchten. Spannende Förderformate sind neben den großen Premieren die mobilen Produktionen von Semperoper Aktiv!, unsere Sparte für unser jüngstes Publikum, die ganz junge Zuschauende an Oper, Tanz und Konzert heranführt.
Letzte Frage, und die ist persönlich: Windsurfen bringt dich aufs Wasser, die Oper in den Theaterbau, gibt es da eine mögliche Verbindung? Und verrätst du uns, auf welche Wellen dich deine nächste Reise führt?
Neben der Oper liebe ich auch das Windsurfen, das auf den ersten Blick gar nicht viel mit ihr zu tun hat. Aber es sind die Emotionen, die beide Erlebnisse verbinden, denn das Gleiten über das Wasser kann genauso mitreißend sein wie großartige Musik. Meine nächste Reise führt mich auf die Wellen des Gardasees, mit einem Abstecher zu den Opernfestspielen in Verona!