Wie müssen sich Museen verändern, um in einer Gesellschaft im Umbruch relevant zu bleiben? Diese Frage prägt seit einiger Zeit den internationalen Fachdiskurs. Das Thema des Internationalen Museumstags 2025, „The Future of Museums in Rapidly Changing Communities“, die 27. ICOM-Generalkonferenz sowie der Museums Summit der American Alliance of Museums verweisen auf die wachsende Bedeutung dieser Frage. Auch aktuelle Branchendiskurse und Strategieprozesse von Kulturinstitutionen setzen sich damit auseinander.
Eine mögliche Antwort liegt in der Verbindung von Sammlungsarbeit, digitaler Öffnung und gesellschaftlicher Vermittlung. Museen machen ihre Bestände sicht- und nutzbar, entwickeln ihre Daten- und Digitalinfrastrukturen weiter und prüfen zugleich, welche Rolle die eigene Sammlung für ihre institutionelle Identität spielt. Dabei geht es nicht um ein einheitliches Zukunftsmodell. Entscheidend ist vielmehr, wie Museen Sammlung, Digitalisierung, Vermittlung und Teilhabe entsprechend ihrem Auftrag und ihren Möglichkeiten gewichten. Dieser Beitrag soll sich auf zwei der zahlreichen Aspekte beziehungsweise Fragen in diesem Kontext konzentrieren: Wie können Museen mit ihren Sammlungen und den dazugehörigen Daten umgehen? Und wie verändert sich das Verhältnis von Museum und Sammlung, wenn auch sammlungslose, vernetzte oder stärker vermittlungsorientierte Formate an Bedeutung gewinnen?
Bereits 2018 hinterfragten Autorinnen und Autoren aus Museumspraxis, Kulturpolitik und Wissenschaft im Sammelband „The Future of Museums“ die traditionelle Rolle von Museen und schlugen aktivere Rollen für die Zukunft vor. Die dort entwickelten Perspektiven, „das Museum als Plattform und Labor“, „die Sammlung als aktiver Wissensspeicher“ und „Open Access als öffentlicher Auftrag“, sind seither Gegenstand wichtiger Debatten und Praxisentwicklungen im Museumssektor.1 Ein Forbes-Artikel aus diesem Jahr beschreibt, wie Institutionen wie das Smithsonian und das Natural History Museum London diese Prinzipien umsetzen.2 Das Natural History Museum verfolgt ein groß angelegtes Digitalisierungsprogramm, das seine Sammlung als offene Forschungsinfrastruktur für die weltweite Wissenschaft begreift.3 Das Smithsonian hatte bereits 2020 rund 2,8 Millionen Bilder und Datensätze über seine Open-Access-Initiative frei zugänglich gemacht.
Mit dieser Form der Öffnung entsteht eine Herausforderung, die 2018 noch kaum eine Rolle spielte: die Frage der Datenhoheit und Qualität von Daten (insbesondere in Zeiten von KI). Digitale Sammlungsplattformen und die dahinterstehende Infrastruktur für Sammlungsmanagement und Langzeitspeicherung werden von führenden Institutionen konsequent weiterentwickelt. Zugleich verbinden sich mit der Vorstellung vom „digitalen Objekt für die Ewigkeit“ erhebliche Energie-, Infrastruktur- und Sicherheitsanforderungen. Museen müssen deshalb Datenhoheit, langfristige Verfügbarkeit und ökologische Verantwortung ausbalancieren, etwa durch effiziente Speicherarchitekturen, Priorisierung bei der Digitalisierung und kooperative Infrastrukturen. Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Sammlungsarbeit verschiebt sich die Frage der Datenhoheit zugleich auf Fragen der Governance: Wer darf Sammlungsdaten für Training und Anwendungen nutzen? Wie nachvollziehbar sind automatisierte Entscheidungen bei Katalogisierung und Kuratierung? Und wie lassen sich Urheber- und Persönlichkeitsrechte wahren? Neben technischen und ökologischen Fragen gewinnt damit auch die ethische Dimension des Sammlungsmanagements an Gewicht.
Diese Entwicklung wird inzwischen auch institutionell adressiert. Die 27. ICOM-Generalkonferenz in Dubai im November 2025 hat gemeinsam mit der UNESCO die Global Initiative on Artificial Intelligence and Museums vorgestellt. Sie soll bestehende KI-Aktivitäten im Museumssektor kartieren und vernetzen, ethische Orientierung entlang der UNESCO-Empfehlung zur Ethik der Künstlichen Intelligenz von 2021, des ICOM-Kodexes und der UNESCO-Empfehlung zu Museen von 2015 fördern sowie den Kompetenzaufbau in den Häusern unterstützen.
Die Digitalisierung macht Sammlungen sichtbarer. Sie ist jedoch nur einer von mehreren Impulsen, die das Selbstverständnis von Museen derzeit verändern. Hinzu kommen Debatten über Partizipation und Teilhabe, über die Rolle von Vermittlung sowie über neue, teils sammlungslose Formate. Vor diesem Hintergrund stellt sich eine grundsätzlichere Frage: Wie verhalten sich Museum und Sammlung zueinander? Gibt es ein Museum ohne Sammlung, und was ist eine Sammlung ohne Museum? Eine einheitliche Antwort zeichnet sich in der Fachdiskussion nicht ab.
Einen Referenzpunkt bildet die 2022 verabschiedete ICOM-Museumsdefinition. Sie beschreibt Museen weiterhin über die Funktionen Sammeln, Bewahren, Erforschen, Interpretieren und Ausstellen. Zugleich betont sie ihre öffentliche Zugänglichkeit, Inklusion, Diversität, Nachhaltigkeit und die Beteiligung von Communities. Die Definition beschreibt damit zentrale Aufgaben und Ansprüche an Museen, gibt aber keine eindeutige Auskunft darüber, ob ein Museum dafür eine eigene, dauerhaft am selben Ort bewahrte Sammlung besitzen muss. Genau diese Unterscheidung wird mit Blick auf virtuelle Formate und Institutionen ohne permanente eigene Sammlung diskutiert.4
Für die weitere Betrachtung lassen sich drei Ebenen unterscheiden: