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„Run it like a business": Wie Kulturinstitutionen wirtschaftliches Denken und kulturelle Werte verbinden können

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Aktuelles I Foto: charles forerunner, unsplash

Kaum ein Thema hat die Kulturlandschaft in den vergangenen Monaten so aufgewühlt, wie die angekündigten Budgetkürzungen in Städten wie Berlin, wo allein 2025 rund 130 Millionen Euro im Kulturbereich eingespart werden sollen.1 Der Protest ist laut, die Unsicherheit groß – wie können Kulturinstitutionen wirtschaftlich stabil bleiben, ohne ihre künstlerische Identität und ihren Kulturauftrag zu gefährden?

Angesichts der finanziellen Herausforderungen müssen Kultureinrichtungen neue Wege finden, um ihre Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Oft wird dabei ein Widerspruch zwischen künstlerischer Identität und wirtschaftlicher Strategie wahrgenommen – doch dieser muss gar nicht existieren. Die eigene kulturelle Mission bleibt unverändert, doch sie kann mit den Methoden der Wirtschaft besser vermittelt, breiter zugänglich gemacht und nachhaltiger finanziert werden. Aubrey Bergauer zeigt in „Run it Like a Business“, dass wirtschaftliches Denken nicht nur eine Notwendigkeit, sondern eine Chance für Kultureinrichtungen ist.

Wer seine kreativen Angebote strategisch weiterentwickelt, sein Publikum aktiv einbindet und die digitalen Möglichkeiten nutzt, kann neue Einnahmequellen erschließen - und damit langfristig handlungsfähig bleiben. Eine Orientierung an den Bedürfnissen des Publikums sollte bei allen Angeboten berücksichtigt werden - dabei geht es oft nicht um eine Veränderung des Produkts, denn das ist meist nicht das Problem. Vielmehr geht es um zielgruppengerechte Marketingkommunikation und Niedrigschwelligkeit. Beispiele zeigen: Wirtschaftliches Denken und die Bewahrung kultureller Werte müssen kein Widerspruch sein.

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Stärkung des Kernangebots – Kreativität als strategisches Kapital

Kulturinstitutionen können ihre kreativen Stärken gezielt als strategischen Vorteil nutzen und innovative Wege gehen, um ihre Inhalte einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Beispiel: Royal Shakespeare Company (Stratford-upon-Avon, UK)2
Die Royal Shakespeare Company (RSC) setzt seit Jahren auf digitale Innovationen, um ihr Publikum zu erweitern. Im Februar 2025 machte die RSC alle aufgezeichneten Shakespeare-Stücke über den Streaming-Dienst Marquee TV verfügbar, darunter Produktionen wie Richard II (2013) und Macbeth (2018) – ein Modell, das neue Zielgruppen erschließen und zusätzliche Einnahmen generieren kann.

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Ausbau des erweiterten Angebots – Community-Einbindung als Erfolgsfaktor

Eine enge Bindung zur Gemeinschaft kann Kulturinstitutionen helfen, neue Zielgruppen zu erreichen und die finanzielle Basis zu stärken.

 

Beispiel: El Museo del Barrio (New York, USA)3
El Museo del Barrio, gegründet 1969 in East Harlem, New York, begann als Zentrum für Kunst und Bildung der puerto-ricanischen Diaspora. Im November 2024 präsentierte das Museum seine zweite Triennale mit dem Titel Flow States, die Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Regionen zeigte. Diese Ausstellung betonte die vielfältigen und komplexen Identitäten der Latino-Gemeinschaft und förderte den Dialog über kulturellen Austausch. Solche Initiativen können die lokale Verankerung steigern sowie Besuchszahlen und Spenden fördern.

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Marketing- und Besuchendenoptimierung – Digitale Transformation als Wachstumstreiber

Die digitale Transformation bietet Kulturinstitutionen immense Chancen für Reichweitensteigerung und neue Finanzierungsquellen.

 

Beispiel: The Cleveland Orchestra (USA)4
Das Cleveland Orchestra führte das TCO Rewards-Programm ein, ein kostenloses Treueprogramm, das es den Teilnehmenden ermöglicht, Punkte für verschiedene Aktivitäten wie Konzertbesuche, das Ansehen von Videos oder das Lesen von Artikeln zu sammeln. Diese Punkte können gegen Vorteile wie Tickets, Merchandise, VIP-Erlebnisse und exklusiven Inhalt eingetauscht werden. Ein Ansatz, der die Bindung des Publikums, das Engagement und den Umsatz gleichermaßen steigern kann.

 

Neben den aufgezeigten Aspekten spielen auch alternative Finanzierungsmodelle, wie gezielte Kooperationen mit Unternehmen oder Fundraising, eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Stabilität von Kulturinstitutionen. Auch die Kostenseite ist ein wichtiger Hebel: Effiziente Abläufe, angepasste Organisationsstrukturen und geteilte Ressourcen können helfen, wirtschaftlicher zu arbeiten, ohne die künstlerische Qualität zu gefährden.
Erfolgreiche Kulturinstitutionen setzen auf eine ausgewogene Mischung aus Finanzierungsquellen, Audience Success und digitaler Transformation. Partizipative Programme, strategische Partnerschaften und innovative Formate stärken die Bindung zum Publikum und ermöglichen über erhöhte Attraktivität der Angebote neue Ertragsquellen.
Wer wirtschaftliches Denken mit kulturellen Werten verbindet, bleibt langfristig handlungsfähig und gesellschaftlich relevant. Sie möchten Ihr Haus zukunftsfähig aufstellen? actori unterstützt Sie gerne bei Ihrem individuellen Vorhaben (team@actori.de)

Quellen:
1) https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/02/chialo-einsparung-kultur.html
2) https://www.britishtheatreguide.info/news/rsc-streams-all-shakespeare-s-16756
3) https://www.elmuseo.org/exhibition/flow-states-la-trienal-2024/
4) https://www.clevelandorchestra.com/engage/rewards/_

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Ein Beitrag von Michaela Herrmann, Beratung