Nicht-messbare Effekte von Kultur­einrichtungen – langfristige Potenziale für Städte und Regionen

Eine Straßenbahn, die durch eine kulturell belebte Innenstadt führt
Aktuelles I Foto: Quaritsch Photography, unsplash.de

Kultureinrichtungen wie Theater, Bibliotheken, Konzerthäuser oder Museen sind nicht nur Orte der kulturellen Begegnung, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle für Stadt- und Regionalentwicklung. Während wir in einem vorherigen Artikel die wirtschaftlichen Effekte kultureller Einrichtungen beleuchtet haben, wollen wir uns nun den intangiblen, nicht-quantifizierbaren Auswirkungen widmen, die langfristig die Identität und das Image einer Stadt oder Region prägen können.

Imageeffekte: Mehr als nur ein gutes Bild
Einer der bedeutendsten intangiblen Effekte von Kultureinrichtungen sind Imagewirkungen. Das Image einer Stadt oder Region kann maßgeblich durch kulturelle Leuchttürme beeinflusst werden. Ein herausragendes und allseits bekanntes Beispiel hierfür ist der Effekt, den das Guggenheim Museum in Bilbao auf die Wahrnehmung der Stadt hatte. Durch spektakuläre Architektur und hochwertige Kunstausstellungen veränderte das Museum die Wahrnehmung von Bilbao und zog mit steigender Attraktivität und Wiedererkennungswert Touristinnen/Touristen, Einwohnerinnen/Einwohner und Unternehmen an. Ähnlich positive Effekte wurden auch beim Kunsthaus Graz, Phaeno in Wolfsburg und Kultur- und Kongresszentrum in Luzern beobachtet. Obwohl die ökonomischen Auswirkungen nicht an Bilbao heranreichen, zeigen sich dennoch interessante Parallelen. Dies äußerte sich vor allem in steigenden Besuchszahlen der Orte und einem neuen, nicht nur in den Medien erkennbaren Selbstverständnis der jeweiligen Stadt.

Infrastruktureffekte: Mehr als nur ein Veranstaltungsort
Kultureinrichtungen bringen nicht nur Veranstaltungsorte mit sich, sondern haben auch eine tiefgreifende Wirkung auf die Entwicklung eines Stadtviertels oder- quartiers und entfalten einen signifikanten Einfluss auf die umliegende Umgebung. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Philharmonie de Paris, deren Errichtung nicht nur zu einer Steigerung der kulturellen Teilhabe und Bildung beitrug, sondern auch einen erheblichen Beitrag zur Veränderung des Stadtviertels leistete. Neuere Untersuchungen zur Elbphilharmonie in Hamburg oder zum Rotterdamer Kunstarchiv "Depot Boijmans" von MVRDV zeigten nach der Eröffnung einen signifikanten Anstieg der Veröffentlichungen über die Projekte in Social-Media-Posts. Dies trug nicht nur zur überregionalen Wahrnehmung des Gebäudes, sondern auch des umgebenden Viertels bei. In Hamburg verlagerte sich die Aufmerksamkeit der Besuchenden der Stadt nach Fertigstellung der Elbphilharmonie verstärkt auf die gesamte HafenCity. Neben den infrastrukturellen Effekten, die sich durch die vielseitige Nutzungsmöglichkeit neuer Einrichtungen ergeben, sollte daher auch die transformative Wirkung auf das jeweilige Stadtviertel berücksichtigt oder zum Teil der (Standort-)entscheidung werden.

Netzwerk- und Kompetenzeffekte: Mehr als nur Veranstaltungen
Im Umfeld einer Kulturinstitution arbeiten verschiedene Akteurinnen/Akteure zusammen – von Künstlerinnen/Künstlern und Veranstaltenden bis hin zu Unternehmen, Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern sowie Sponsorinnen/Sponsoren. Diese Zusammenarbeit führt zur Bildung von Netzwerken und Kooperationen, die den Wissens- und Kompetenzaustausch fördern und die regionale Zusammenarbeit stärken. Diese Netzwerke können langfristig genutzt werden, um Innovationen voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit einer Stadt oder Region zu steigern. Unternehmen, Wissenschaft und Kultur profitieren von gemeinsamen Projekten und entwickeln Kompetenzen, die ihnen in anderen Bereichen, wie beispielsweise Employer Branding oder Kundenansprache, zugutekommen. Dies trägt zur langfristigen Steigerung der Kompetenzen in einer Region bei. Darüber hinaus können kulturelle Orte wie Museen, Theater und Bibliotheken als Orte der Demokratie fungieren, indem sie als Plattformen für den öffentlichen Diskurs und kulturellen Austausch dienen. Veranstaltungen wie Lesungen, Podiumsdiskussionen oder Ausstellungen bieten Raum für den Austausch von Ideen, die Auseinandersetzung mit kontroversen Themen und die Förderung von kritischem Denken. Dies wiederum trägt zur Stärkung der Zivilgesellschaft und zur Förderung einer offenen und inklusiven Gesellschaft bei.
Die langfristigen Auswirkungen von Kultureinrichtungen auf eine Stadt sind vielfältig. Sie steigern die Attraktivität für den Tourismus, fördern die Identifikation der Einwohner/-innen mit ihrer Stadt und ziehen neue Unternehmen an. Die Steigerung des Images, die Verbesserung der Infrastruktur, die Bildung von Netzwerken und die Entwicklung neuer Kompetenzen tragen dazu bei, dass eine Stadt langfristig wettbewerbsfähiger wird. Kultureinrichtungen sind damit neben Orten für Hochkultur, auch entscheidende Akteurinnen/Akteure in der langfristigen Entwicklung von Städten und Regionen. Ihre intangiblen Effekte können einen bedeutenden Beitrag zur Förderung der Kultur, Wirtschaft und Identität einer Stadt leisten.

actori kann dabei helfen, diese Effekte sichtbar zu machen und zu bewerten. Dies kann einerseits bei der Planung und Entscheidungsvorbereitung zu neuen Infrastrukturprojekten helfen, andererseits ein Teil bei der Erarbeitung von Relevanzstrategien (aber nicht der einzige).

Quellen:
1) https://opus.ostfalia.de/frontdoor/deliver/index/docId/352/file/Wachsmuth_2013_Kulturveranstaltung_Regionaloekonomie.pdf 2)https://www.alexandria.unisg.ch/server/api/core/bitstreams/86b8110f-2fad-4279-8fd8-f4ad4f2ecfb2/content
3) https://www.bauwelt.de/rubriken/bauten/Die-Langzeitwirkung-des-Bilbao-Effekts-Guggenheim-Frank-Gehry-Baskenland-3850331.html#:~:text=Neue%20Untersuchungen%20zur%20Elbphilharmonie%20in,Viertel%20zu%20mehr%20Wahrnehmung%20verhalf
4) https://www.wifo.ac.at/jart/prj3/wifo/resources/person_dokument/person_dokument.jart?publikationsid=66154&mime_type=application/pdf
5) https://www.efa-aef.eu/media/12313-die-wirtschaftlichen-effekte-von-lucerne-festival-scherer.pdf

Ein Beitrag von Jonas Salzer, Beratung

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