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Musikhochschulen zwischen Lehraufträgen und Strukturwandel

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Aktuelles I Foto: Marius Masalar, unsplash

Lehraufträge sind seit jeher eine beliebte Möglichkeit der Einbindung von Spezialexpertise und künstlerischer Praxis in Musikhochschulen. In vielen Institutionen tragen Lehrbeauftragte heute jedoch dauerhaft zentrale Teile des Studienbetriebs. Spätestens seit der Rechtsprechung um das „Herrenberg-Urteil“, in dem Honorarlehrkräfte je nach tatsächlicher Ausgestaltung ihrer Tätigkeit sozialversicherungsrechtlich als abhängig beschäftigt gelten können, ist klar: Strukturelle Anpassungen sind unvermeidlich.

Arbeitsgerichte haben wiederholt klargestellt, dass eine dauerhafte, in den Studienbetrieb integrierte Lehrtätigkeit auf Dauerstellen und reguläre Anstellungsverhältnisse hinweist. Gleichzeitig stehen Musikhochschulen unter hohem finanziellem und politischem Druck und können ihre Stellenstruktur nicht im Alleingang grundlegend verändern. Derzeit gilt eine befristete Übergangsregelung, die den Institutionen Zeit für Anpassungen lässt. Wird die Herrenberg-Rechtsprechung ab 2028 auf Lehrbeauftragte angewendet, ist, wie das CHE Centrum für Hochschulentwicklung anführt, mit einem deutlichen Anstieg der Personalkosten an Musikhochschulen (um ein Viertel) zu rechnen, ohne dass zusätzliche Lehrkapazität entsteht.

Die Herausforderung für Hochschulen besteht nun darin, eine tragfähige, politisch verhandelbare und finanzierbare Beschäftigungsstrategie zu entwickeln. Wer das nicht tut, riskiert nicht nur Klagen und Mehrkosten, sondern auch eine schleichende Erosion von Qualität und Attraktivität als Arbeitgeberin und Ausbildungsstätte. Zugleich eröffnet der notwendige Umbau die Chance darauf, das eigene Profil strategisch neu auszurichten und die Position im Hochschulsystem zu stärken.

Beschäftigungsfragen im Kontext der Gesamtstrategie denken
Musikhochschulen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Exzellenz, verlässlicher Lehre und der Steuerungslogik von Ländern und Ministerien. Fachliche Profile, strategische Ziele und finanzielle Spielräume bestimmen maßgeblich, welche Beschäftigungsformen sinnvoll und tragfähig sind. Umgekehrt steht jede Anpassung im personellen Bereich in Wechselwirkung mit dem Studienangebot, der Rolle als kulturelle Akteurin in der Region, sowie ihren Organisationsstrukturen. Vor diesem Hintergrund wird die Neuordnung der Beschäftigungsstrukturen zur strategischen Kernaufgabe:

  • Profil und Leistungsumfang: Welche Studiengänge, Fächer und Formate definieren die künstlerische und pädagogische Identität der Hochschule und welche sind als ergänzend zu betrachten? Wo müssen neue Felder perspektivisch stärker verankert werden? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus konkret für Lehrvolumina, Betreuungsrelationen und Stellenbedarfe?
  • Stellenstruktur und Verantwortlichkeiten: Welche Aufgaben müssen dauerhaft von Professuren und festangestelltem künstlerisch-wissenschaftlichem Personal getragen werden, um Qualität und Verlässlichkeit zu sichern? Wo sind Lehrkräfte für besondere Aufgaben sinnvoll? An welcher Stelle können Lehrbeauftragte gezielt und rechtssicher ergänzend eingesetzt werden?
  • Finanzierung und Verhandlungsspielräume: Welche Stellenarchitektur ist innerhalb der bestehenden Budgets umsetzbar und wo entstehen Mehrbedarfe? Welche Szenarien, von risikoarmen Minimalvarianten bis hin zu profil- und qualitätsorientierten Ausbauvarianten, lassen sich gegenüber Ministerien und Ländern argumentativ tragen?

actori unterstützt Musikhochschulen dabei, ihre Beschäftigungs‑ und Lehrstrukturen zukunftsfähig aufzustellen und den arbeitsrechtlichen sowie finanziellen Druck in eine Chance zur strategischen Weiterentwicklung zu verwandeln. Wir analysieren Strukturen, identifizieren systematisch Risikofelder, entwickeln realistische Szenarien und bereiten diese politik‑ und verhandlungsfähig auf. In Projekten begleiten wir Hochschulen von der internen Governance bis zur Argumentation gegenüber Ministerien und Trägern. Wer seine Beschäftigungsstrukturen heute strategisch ordnet, stärkt Exzellenz, Verlässlichkeit und Attraktivität – und gewinnt zugleich Profil und Planbarkeit. Sprechen Sie uns gerne an (team@actori.de).

Quelle: https://www.che.de/2026/herrenberg-urteil-stellt-hochschulen-vor-grosse-herausforderungen-rund-95-000-lehrbeauftragte-betroffen/


Ein Beitrag von Andreas Dittinger, Beratung