Fundierte Entscheidungen brauchen belastbare Daten. Das gilt nicht nur für unsere Beratungsarbeit, sondern auch für die Frage, wie öffentliche Kulturförderung wirksam eingesetzt werden kann. Der Bundeskulturhaushalt 2026 erreicht mit 2,5 Milliarden Euro ein Rekordniveau. Doch wie lässt sich sicherstellen, dass diese Investitionen dort ankommen, wo sie gebraucht werden? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen und die Logik der Kulturförderung.
Die Zahlen 2026 im Überblick
Für das Jahr 2026 sind im Bundeskulturhaushalt rund 2,5 Milliarden Euro für Kulturförderung vorgesehen, das entspricht einer Steigerung von etwa 225 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.1 Hinter dieser Zahl steckt vorwiegend eine Umverteilung der Fördermittel. Die Filmförderung erhält mit 250 Millionen Euro (nahezu eine Verdopplung) und der Kulturinvest-Topf mit 250,7 Millionen Euro (+120 Millionen Euro) besonders starke Zuwächse. Während an anderer Stelle Mittel gekürzt wurden, so etwa der Zuschuss an die Deutsche Welle oder an die Errichtung der Neuen Nationalgalerie. Zuzüglich wurde eine neue Globale Minderausgabe von 33 Millionen Euro festgelegt. Der Bundeskulturhaushalt 2026 zeigt weniger ein generelles Wachstum, sondern eine Neuausrichtung zugunsten von Film und Infrastruktur.2 Gleichzeitig verschärft sich das Bild auf Länder- und kommunaler Ebene. Im Jahr 2025 summierte sich das Defizit der Kommunen auf gut 30 Milliarden Euro. Steigende Sozial- und Personalkosten engen die finanziellen Spielräume erheblich ein. Dadurch geraten insbesondere freiwillige Leistungen wie kommunale Kulturförderung unter Druck.3 In Berlin führten weitreichende Kürzungen 2025 zum Rücktritt des damaligen Kultursenators. In Stuttgart beschloss der Gemeinderat für 2026/2027 den Kulturhaushalt um sechs Prozent zu reduzieren, wodurch einzelne Festivals sich halbiert haben.4 Die Bundesinvestitionen bilden lediglich einen Bruchteil der Kulturfinanzierung in Deutschland ab. Dabei fördert der Bund vor allem überregional bedeutsame Einrichtungen, Gedenkstätten, Film sowie Leuchtturmprojekte.
Wer ist wofür zuständig?
Die kulturelle Grundversorgung liegt in der Verantwortung von Ländern und Kommunen. Stadttheater, Musikschulen, lokale Kulturzentren oder die meisten Clubs werden nicht aus dem Bundeshaushalt finanziert. Wenn dort Einrichtungen in Schwierigkeiten geraten, liegt das beispielsweise an steigenden Betriebs- und Energiekosten und tarifbedingt wachsenden Personalausgaben.
Zudem geraten die finanzierenden Kommunen und Gemeinden zunehmend unter Druck. Steigende Sozial- und Personalkosten engen die Spielräume in den Kommunalhaushalten zunehmend ein. Folglich werden freiwillige Leistungen wie die Kulturförderung eingeschränkt. Dass der kommunale Anteil an den öffentlichen Kulturausgaben seit 2005 von 88 auf 76 Prozent gesunken ist, liegt dabei weniger an absoluten Kürzungen als daran, dass der Bund seine Ausgaben in diesem Zeitraum deutlich stärker ausgebaut hat.5 In den letzten Jahren verschärft sich die Lage jedoch: In Dresden etwa wird für 2026 eine Kürzung der Kulturfördermittel um mindestens zehn Prozent diskutiert.6 So schaffen es Bund und Länder ihre freiwilligen Anteile zu erhöhen, während die Kommunen gezwungen sind sich zurückzuziehen. Für viele Kultureinrichtungen bedeutet das: Trotz Rekordzahlen auf Bundesebene wird die Finanzierung vor Ort unsicherer.
Von der Inputorientierung zur Wirkung
Gleichzeitig rückt zunehmend die Frage in den Fokus, wie Kulturförderung wirksam eingesetzt werden kann. Kulturförderung wird künftig stärker daran gemessen, was sie gesellschaftlich bewirkt und nicht primär daran, wie viel Geld ausgegeben wird. Fördergebende fragen zunehmend, was eine Einrichtung mit dem Geld tatsächlich bewirkt. Erreicht sie neue Zielgruppen? Stärkt sie den sozialen Zusammenhalt? Trägt sie zu Bildung oder gesellschaftlicher Teilhabe bei? Zieht sie Besuchende von außerhalb an und belebt damit lokale Wirtschaft und Tourismus? Einrichtungen, die ihre Ziele klar formulieren, ihre Zielgruppen kennen und ihren gesellschaftlichen Beitrag belegen können, haben auch in Zeiten knapper kommunaler Kassen strukturelle Vorteile. Nicht nur bei der Mittelvergabe, sondern auch wenn es darum geht, Förderung öffentlich zu rechtfertigen.
Was bedeutet das für Kultureinrichtungen?
In Zeiten knapper öffentlicher Kassen ist es für Kultureinrichtungen wichtiger denn je, ihre Einnahmen zu diversifizieren und zu steigern, um so die Abhängigkeit von Fördergeldern zumindest teilweise zu verringern. Trotzdem wird öffentliche Förderung unverzichtbar bleiben: Entscheidend ist daher auch, Wirkung und gesellschaftliche Relevanz nachvollziehbarer zu belegen. In unserer Beratungsarbeit unterstützen wir Kultureinrichtungen dabei, ihre strategische Ausrichtung zu schärfen, Einnahmenpotenziale zu erschließen, Wirkungszusammenhänge klar zu formulieren und datenbasiert zu arbeiten.
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Quellen:
1) https://kulturstaatsminister.de/kultur-und-medienetat-auf-rekordniveau;
2) https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1126844
3) https://www.staedtetag.de/themen/kommunalfinanzen
4) https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/05/berlin-kultur-senator-joe-chialo-ruecktritt.html;
6) Dresden: Grüne fordern Rücknahme der Kürzungen im Kulturhaushalt
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Ein Beitrag von Lisa-Marie Burkhard, Beratung