Zur Navigation springen Zum Hauptinhalt springen Zum Footer springen

Kommunen auf Sparkurs: Wie ein Wirkungsfokus Kulturinstitutionen zukunftsfähig macht

Abstrakte Malerei in rot, pink, lila und blau ineinander verlaufende Farbflaechen
shutterstock//wedphotoline
Aktuelles I Foto: Jakub Zerdzicki, unsplash

Die öffentlichen Kulturausgaben geraten spürbar unter Druck. Vielerorts sinkt der Kulturanteil in den Haushalten. Gleichzeitig verstärkt sich der Trend zur wirkungsbasierten Förderung: Träger/-innen fragen zunehmend nach nachweisbaren Effekten statt pauschal Zuschüsse zu verteilen. Für Kulturinstitutionen ist das Chance und Zumutung zugleich. Wer strategisch handelt und Wirkung belegt, kann neuen Fördermodellen und Relevanzfragen gelassener entgegensehen.

Die Ausgangslage ist unmissverständlich. Kultur ist in der kommunalen Selbstverwaltung in vielen Ländern eine freiwillige Aufgabe. In Zeiten, in denen schon für die Erfüllung von Pflichtaufgaben kaum genug Geld da ist, wird hier entsprechend nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass insbesondere institutionelle Förderungen in vielen Kommunen in den vergangenen Jahren automatisch mitgewachsen sind, ohne dass sich Kulturinstitutionen umfassend einer Wirkungskontrolle oder Evaluation ihres Schaffens unterziehen mussten. Solange genug Geld vorhanden war, konnten auch neue Ideen finanziert werden, ohne dafür bestehende Strukturen zu hinterfragen. Doch zunehmend geraten Museen, Theater, Bibliotheken und Freie Szenen unter Legitimationsdruck. Viele Träger/-innen stellen die bisherige Förderpolitik kritisch in Frage und suchen nach neuen Wegen Kultur an den richtigen Stellen zu fördern. Immer häufiger setzen sie dabei auf Wirkungsbasierte Förderung. Wird die beabsichtigte Wirkung verfehlt, folgt die Kürzung. Diese Realität ist unbequem und gerade deshalb die Einladung, als Institution das Thema proaktiv in die Hand nehmen. Wer seine eigene Wirkungslogik entwickelt, Messbarkeit klug gestaltet und das Publikum sichtbar erreicht, wird vom Objekt der Evaluation zum Subjekt der Erzählung: nicht Rechtfertigung im Nachhinein, sondern Führung im Voraus. Vorbilder dafür können bspw. die ROC in Berlin sein, die unter Anselm Rose ein eigenes Wirkungscontrolling aufgebaut haben oder aber auch die Staatsphilharmonie in Reinland-Pfalz, die unter Beat Fehlmann die erzielte Wirkung der Konzerte in den Mittelpunkt ihrer Strategie gestellt haben. Dabei steht bei beiden Akteuren keine eindimensionale Kennzahlenmessung im Vordergrund sondern eine mehrdimensionale Erfassung verschiedener Faktoren, die Wirkung auch sozial und künstlerisch messbar machen.

Der Schlüssel liegt in Aktion statt Reaktion
Die Beispiele zeigen, zu einer Wirkungslogik gehört eine belastbare Wirkungsarchitektur mit klarer Mission, einem nachvollziehbaren Wirkungsmodell (vom Input über Aktivitäten und Outputs bis zu Outcomes) und einem ausgewogenen Set aus qualitativen und quantitativen Indikatoren. Das eine „richtige“ Kennzahlensystem gibt es nicht. Wirkung und ihre Messung hängen immer von den jeweiligen Zielen ab. Entsprechend kann Wirkungslogik top-down entwickelt werden (wenn beispielsweise eine Kommune ihr Förderprogramm wirkungsorientiert umgestaltet) oder bottom-up (wenn eine Institution überzeugend darlegt, warum ihre Arbeit wirkt und wie sich dies belegen lässt).
Konkret kann es für Kulturinstitutionen darum gehen, eine Wirkungsstrategie bzw. Wirkungsarchitektur zu entwickeln oder ein Kennzahlensystem inklusive qualitativer Indikatoren aufzubauen und mit diesen Wirkungsfaktoren einen strukturierten Förderdialog mit Träger/-innen zu aufzunehmen.  Auf dieser Basis können auch organisationale Strukturänderungen (z.B. Anpassungen von Abteilungen, Rollen und Prozessen) gelingen, so wie sie aktuell im „Zukunftspakt Bühne“ empfohlen werden, der auch vom Deutschen Städtetag unterstützt wird. Grundlage jeder Wirkungsmessung ist dabei eine hohe Datenkompetenz etwa im Ticketing, in der Besucherforschung und im laufendem Monitoring aller Controlling-Systeme.

actori kann diesen Prozess begleiten. Gemeinsam mit Ihnen entwickeln wir nicht nur Konzepte für mehr Reichweite und Wirtschaftlichkeit, sondern einen nachvollziehbaren Wirkungspfad, der Förderern das Sparargument entzieht, weil Wirkung nicht behauptet, sondern belegt wird. Mit anderen Worten: Wer heute Wirkung definiert, misst und erzählt, verhandelt morgen aus Stärke.

 

Ein Beitrag von Franziskus Linsmann, Projektleitung