Gemeinsam zu noch mehr Musik

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unsplash/Geert Pieters
Aktuelles I Foto: 2023 Nikolaus Schäffler

Der zwölfjährige Max ist aufgeregt. Eigentlich geht er schon seit über vier Jahren regelmäßig zu seinem Unterricht in die Räumlichkeiten der ansässigen Musikschule. Doch heute ist es anders. Zum Glück ist seine Mitschülerin Claudia schon da. Die 71-jährige pensionierte Polizistin hat sich genau wie Max vor knapp fünf Jahren dazu entscheiden, Trompete zu lernen. Die beiden haben sich beim Musizieren schnell angefreundet, nehmen noch immer zusammen Unterricht und lernen viel von- und miteinander. Für heute haben die beiden besonders oft geübt. Sie biegen im Foyer des Gebäudes nicht wie üblich rechts zu den Unterrichtsräumen ab, sondern gehen gemeinsam geradeaus in den Großen Konzertsaal. Der Saal des ansässigen Profiorchesters. Genau hier sind Max und Claudia heute richtig, denn es findet ein gemeinsames Konzert von Musikschule und Profiorchester statt.

In diesem Beispiel teilen sich zwei Institutionen nicht nur ein Gebäude, sie kooperieren auch aktiv miteinander. Vom beiläufigen Treffen und Erleben auf dem Gang über gemeinsame Workshops und Vermittlungsangebote, bis zu Patenschaften und ebendiesem Kooperationskonzert im Großen Konzertsaal. Die Möglichkeiten sind vielfältig und trotz des aktiven Kooperationslebens vieler Einrichtungen noch längst nicht ausgeschöpft. Bisher kooperieren Musikschulen in Deutschland insbesondere mit Bildungspartnerinnen und Bildungspartnern. An den 933 öffentlichen Musikschulen finden gut 13.000 Kooperationen jährlich statt (Statistisches Jahrbuch Deutscher Musikschulen 2021). Die Verbindung in die Bildungslandschaft liegt nahe und ist insbesondere auch durch die häufige Ganztagesbetreuung an Schulen und Kindergärten ein probates Mittel, Schülerinnen und Schülern trotz geringer zeitlicher Kapazitäten, ein qualifiziertes Bildungsangebot zu ermöglichen.

Große Synergiepotenziale lassen sich aber auch bei Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen heben; vielerorts ist dies jedoch noch ungenutzt. Das vielfältige Angebot von Musikschulen richtet sich an eine breite Gruppe der Gesellschaft und passt daher ideal zu den Zielen moderner Kulturinstitutionen, wie Niedrigschwelligkeit, Öffnung und ganztägige Belebung. So bringt eine derartige Kooperation neben den klassischen Synergieeffekten im organisatorischen und infrastrukturellen Bereich insbesondere konzeptionelle bzw. strategische Vorteile für alle Parteien mit sich. Ist sie gut ausgestaltet, vernetzen sich Angebot, Nutzendenbindung und Zielgruppe beider Institutionen miteinander und erzielen eine potenzierte Wirkung:

  • Die Teilnehmenden wirken als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für beide Kulturinstitutionen.
  • Schülerinnen und Schüler werden selbst näher an die professionelle Kulturinstitution herangeführt und bringen dabei Freundinnen und Freunde, Verwandte und Bekannte mit.
  • Musikschulen profitieren von dem professionellen Image der Partnerinstitution und können bei ihrem hochwertigen Angebot auf zusätzliche Expertise zurückgreifen.
  • Schlussendlich entfalten sich Synergiepotenziale zur Belebung der gesamten Kulturlandschaft für eine Bereicherung auf allen Ebenen.

Der Trend, Institutionen näher zusammenzuführen zeigt sich auch in unterschiedlichen Projekten wie z. B. dem Annelies Brost Musikforum Ruhr, dem geplanten Musikcampus Münster oder dem kürzlich von actori in einer Bedarfs- und Potenzialanalyse geprüften Konzept für die Zusammenlegung eines neuen Konzerthauses und der städtischen Musikschule in Braunschweig.

actori unterstützt Sie als langjährige Partnerin von Kultureinrichtungen und deren Trägerinnen und Träger gerne dabei, Potenziale zu entdecken und eine auf Ihre Situation abgestimmte Strategie zu entwickeln. Nutzen Sie Ihre individuelle Situation vor Ort und gestalten Sie die Kulturlandschaft aktiv mit.

 

Ein Impulsbeitrag von Julius Geiger, Beratung.

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