Ehrenamts­management für junge Menschen – Potenzial für Kulturinstitutionen

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Aktuelles I Foto: 2023 Nikolaus Schäffler

Ehrenamtliches Engagement hat im Kulturbereich einen hohen Stellenwert. Ehrenamtliche übernehmen verschiedene Funktionen und Verantwortlichkeiten - dabei beruht die Arbeit teilweise (bei Vereinen oder anderen Zusammenschlüssen) ausschließlich auf bürgerschaftlichem Engagement.1) Diese Relevanz wird mitunter durch die Anzahl engagierter Menschen deutlich: Im Bereich Kultur und Musik sind rund 8,6% der Menschen über 14 Jahre in Deutschland ehrenamtlich tätig2) – lediglich im Bereich Sport ist das Engagement noch größer.3) Das ehrenamtliche Engagement trägt demnach in großem Maße zur Gestaltung unserer Kulturlandschaft bei.

Persönliche Motive, sich in der Kultur zu engagieren, gibt es zahlreiche: Rund 80% der Ehrenamtlichen haben den Anspruch, dass ihnen die Tätigkeit vor allem Spaß und Freude bereitet, gefolgt von dem Motiv, etwas für das Gemeinwohl zu tun (rund 64%). Weitere relevante Gründe sind, anderen Menschen zu helfen (rund 61%), die Gesellschaft mitzugestalten (rund 56%) und mit anderen Menschen zusammenzukommen (rund 49%).4) Betrachtet man insbesondere das Engagement junger Menschen, so lässt sich feststellen, dass insgesamt 82% der aktuell nicht-engagierten Menschen zwischen 14 und 29 Jahren nach eigener Aussage zu einem Engagement bereit wären. Hier gibt es also ein unausgeschöpftes Potenzial für kulturelle Einrichtungen.5)

Die unterschiedlichen Trends und gesellschaftlichen Veränderungen haben einen signifikanten Einfluss auf Kulturinstitutionen; insbesondere der demographische Wandel stellt hier eine besondere Herausforderung dar und verdeutlicht einmal mehr die Relevanz des Ehrenamts. Mit einem strategischen Ehrenamtsmanagement können kulturelle Einrichtungen unter anderem junge Zielgruppen erreichen, Niedrigschwelligkeit fördern oder auch das Angebotsspektrum erweitern. Beim Konzerthaus Berlin bieten Ehrenamtliche beispielsweise täglich 30-minütige Rundgänge durch das Haus an oder bereiten in Klassenzimmern Schülerinnen und Schüler auf einen Generalprobenbesuch vor.6)

Erfahrungen in der Arbeit mit Ehrenamtlichen zeigen, dass ein wertschätzender Umgang zentrale Voraussetzung ist. Zudem stehen heutzutage vermehrt auch die Bedürfnisse der Engagierten im Vordergrund: Flexibilität, Mitbestimmung, Transparenz und eine demokratische Organisation sowie die Vereinbarkeit mit der individuellen Lebenssituation, sind relevante Kriterien.

Um diese erforderlichen Strukturen zu schaffen, die Mitgestaltungsspielräume und flexible Einsatzmöglichkeiten bieten, müssen an erster Stelle notwendige Bedingungen geschaffen werden:

  • Zu Beginn steht eine Entscheidung, ob und in welchem Umfang Ehrenamtliche eingebunden werden sollen (beispielsweise welche Bereiche sich anbieten und welche Art von Tätigkeiten geeignet sind). Dabei zu beachten ist, dass man nicht planen sollte, die hauptamtliche Arbeit auf Ehrenamtliche zu übertragen.
  • Basierend auf der ersten Entscheidung, kann das strategische Konzept erarbeitet werden. Dieses sollte die folgenden Fragestellungen beantworten: Wie ist der Status quo? Was ist die Vision und welche Ziele werden verfolgt? Welche Maßnahmen sind für die Zielerreichung erforderlich?
  • Aus den ersten beiden Punkten können sich dann Engagement-Angebote, notwendige organisatorische und betriebliche Veränderungen als auch eine gezielte Kommunikationsstrategie inklusive Umsetzungsplan entwickeln.

Auch sei an dieser Stelle auf die Einflussmöglichkeiten der Politik hingewiesen, die die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt in Deutschland maßgeblich beeinflussen und gestalten. Beispielsweise können übergreifende Maßnahmen, wie die Ehrenamtskarte Hessen, positive Impulse auf das ehrenamtliche Engagement in einem Land beziehungsweise einer Region haben. actori unterstützt Sie gerne dabei, gemeinsam ein strategisches Ehrenamtsmanagement zu konzipieren und in Ihrer Institution zu umzusetzen.

Quellen: 1) Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zu Engagement-Strategie des Bundes, 2) Gesellschaftlicher Bereich „Kultur und Musik“ des Deutschen Freiwilligensurveys 2019, 3) Deutscher Freiwilligensurvey 2019, 4) Angaben beziehen sich auf befragte Engagierte im Bereich Kultur und Musik; Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), Freiwillige Engagierte in Kultur, 5) Deutscher Freiwilligensurvey 2019, 6) https://www.konzerthaus.de/de/ehrenamt.

Ein Impulsbeitrag von Michaela Herrmann, Beratung.

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