Das Tiroler Landestheater ist eines der großen Mehrspartenhäuser Österreichs. Von 2022 bis Anfang 2026 begleitete actori das Tiroler Landestheater bei seinem digitalen Wandel. Auf die Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie und digitalen Roadmap folgte die operative Umsetzung, die actori als externe Koordinationsstelle unterstützte.
Im Mittelpunkt stand dabei von Beginn an die Einbindung der Mitarbeitenden. Denn digitale Veränderung betrifft nicht nur Prozesse und Systeme, sondern die Organisation als Ganzes. Welche Erfahrungen das Tiroler Landestheater dabei gemacht hat und welche Erkenntnisse aus dem mehrjährigen Prozess entstanden sind, erläutert der kaufmännische Direktor des Tiroler Landestheaters, Herr Dr. Markus Lutz, im Interview mit actori.
Die Zusammenarbeit mit actori begann 2022 mit der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie. Vor welchen zentralen Herausforderungen stand das Tiroler Landestheater zu diesem Zeitpunkt im Bereich der Digitalisierung?
Die zentrale Herausforderung bestand in der Nutzung einer Vielzahl von Verwaltungssystemen, die nur unzureichend miteinander vernetzt waren. Dadurch wurde die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit erheblich erschwert. In einzelnen Bereichen herrschte zudem große Unzufriedenheit mit den eingesetzten Lösungen. Gleichzeitig war absehbar, dass einige der vorhandenen Systeme in den kommenden Jahren nicht mehr unterstützt oder eingestellt würden.
Darüber hinaus fehlte eine übergreifende Koordination der Digitalisierungsaktivitäten. Der Reifegrad vieler Prozesse wurde organisationsweit als vergleichsweise niedrig eingeschätzt. Insbesondere fehlten klare Verantwortlichkeiten und Kompetenzen für abteilungsübergreifende Prozesse und Systeme. Auch in den Bereichen Schulung, Wissensmanagement und systemübergreifende Nutzung digitaler Werkzeuge bestanden deutliche Defizite.
Vor diesem Hintergrund entstand der Wunsch, die Chancen der Digitalisierung ganzheitlich zu betrachten und in einer übergeordneten Strategie zusammenzuführen.
Inwiefern hat die gemeinsam entwickelte digitale Roadmap dazu beigetragen, diese Herausforderungen zu strukturieren, Prioritäten zu setzen und konkrete Umsetzungsmaßnahmen abzuleiten?
Die drei Module der Roadmap-Entwicklung, bestehend aus Status-quo- und Gap-Analyse, der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen sowie der Abschätzung von Aufwänden und Ressourcen, haben wesentlich dazu beigetragen, die Herausforderungen transparent zu machen und den Digitalisierungsprozess zu strukturieren.
Im Rahmen einer umfassenden Analyse wurden nicht nur die bestehende Systemlandschaft, sondern auch Prozesse, Organisationsstrukturen und personelle Rahmenbedingungen betrachtet und mit vergleichbaren Kulturinstitutionen abgeglichen. In Workshops mit den Fachabteilungen wurden rund 20 Handlungsfelder und Teilprojekte identifiziert, konkretisiert und priorisiert. Diese reichten von der Optimierung bestehender Systeme über Neuanschaffungen bis hin zu Maßnahmen der digitalen Organisationsentwicklung.
Das Ergebnis war eine realistische und nachvollziehbare Roadmap, die Maßnahmen mit den dafür erforderlichen Ressourcen, Zuständigkeiten und zeitlichen Prioritäten verknüpft. Zugleich gelang es, die relevanten Stakeholder frühzeitig einzubinden und ein gemeinsames Verständnis für die anstehenden Veränderungen zu schaffen. Die Expertise von actori im Bereich Digitalisierung sowie der neutrale Blick von außen waren dabei entscheidende Erfolgsfaktoren.
Digitalisierung bedeutet auch kulturellen Wandel. Wie haben die Mitarbeitenden den Transformationsprozess erlebt, und welche Rolle spielte die operative Begleitung durch actori dabei?
Zu Beginn wurde der digitale Transformationsprozess von vielen Mitarbeitenden mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Im Verlauf der Umsetzung nahm die Akzeptanz jedoch kontinuierlich zu, da die Vorteile der Veränderungen zunehmend sichtbar wurden und die Mitarbeitenden aktiv in die Entwicklung eingebunden waren.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor war der partizipative Ansatz. Die Fachabteilungen wurden frühzeitig in Analyse-, Workshop- und Priorisierungsprozesse eingebunden. Dadurch entstand nicht nur ein besseres Verständnis für die Ziele und Maßnahmen, sondern auch eine hohe Identifikation mit den Ergebnissen.
Die operative Begleitung durch actori leistete hierzu einen wesentlichen Beitrag. Um einen nahtlosen Übergang von der Strategieentwicklung in die Umsetzung sicherzustellen, wurde der Prozess durch eine Koordinierungsstelle Digitalisierung begleitet. Neben dem kontinuierlichen Know-how-Transfer und fachlichem Sparring sorgte diese Funktion für Transparenz über den Projektfortschritt und stellte einen verlässlichen Ansprechpartner für alle Beteiligten dar. Die regelmäßige Präsenz vor Ort half dabei, Unsicherheiten frühzeitig zu klären und Veränderungen nachhaltig zu verankern.
Was hat die Zusammenarbeit mit actori aus Ihrer Sicht besonders ausgezeichnet?
Die Zusammenarbeit mit actori war in mehrfacher Hinsicht ausgesprochen positiv. Von Beginn an bestand ein sehr gutes Verständnis für unsere fachlichen, organisatorischen und betrieblichen Anforderungen, was die Umsetzung des Digitalisierungsprojekts spürbar erleichtert und zu einem reibungslosen Projektverlauf beigetragen hat.
Besonders wertvoll war die Verbindung von strategischer Expertise und operativer Umsetzungsbegleitung. actori hat nicht nur eine fundierte Analyse der Ausgangssituation vorgenommen und Best Practices aus vergleichbaren Kulturinstitutionen eingebracht, sondern uns auch bei der konkreten Umsetzung der Maßnahmen begleitet.
Hervorzuheben ist zudem die durchgehend hohe Verfügbarkeit der Projektverantwortlichen. Mit Umsicht, Fachkompetenz und Ruhe wurden wir auch in herausfordernden und arbeitsintensiven Phasen verlässlich durch den Veränderungsprozess begleitet.