1. Marketingbudgets vom Image hin zu echten Ticketverkäufen verschieben
In vielen Häusern fließt ein Großteil des Marketingbudgets in klassische Image-Formate, z. B. Saisonhefte, Programmhefte, Plakate, allgemeine Social-Media-Kommunikation. Nur ein kleiner Teil wird für Instrumente eingesetzt, die direkt Tickets verkaufen (Newsletter, gezielte Online-Kampagnen, Empfehlungen im Webshop). Statt „mehr Marketing“ braucht es daher eine andere Aufteilung der vorhandenen Mittel.
Entscheidend ist zunächst das Verhältnis von Markenaufbau und Ticketverkauf sichtbar zu machen und anschließend neu zu justieren. Kampagnen sollten konsequent an Produktionen und konkreten Veranstaltungsterminen ausgerichtet werden. Zudem sollten digitale Kanäle stärker als Verkaufsinstrumente und nicht nur als Schaufenster genutzt werden.
So entstehen zusätzliche Ticketerlöse, ohne den Gesamtetat zu erhöhen und das allein durch bessere Nutzung vorhandener Reichweiten.
2. Vorhandene Räume aktiv zur Mittelgenerierung nutzen
Viele Theater verfügen über interessante Räume, oft in bester Innenstadtlage Diese Ressourcen bleiben im Alltag oder Ferienzeiten häufig ungenutzt. Natürlich kann es dafür gute Gründe, wie Instandhaltung oder Reinigung geben, aber durch geschickte Planung lassen sich hier zusätzliche Mittel generieren.
So können Bühnen und Säle während der Spielpausen oder in veranstaltungsfreien Zeiten an Gastproduktionen, Shows oder Kongresse vermietet werden. Foyers, Terrassen, Restaurants und kleinere Säle können als Eventlocations für Unternehmen und private Feiern genutzt werden. Darüber hinaus können Shop- und Merchandising-Angebote für treue Fans und das Laufpublikum aufgebaut und in die Besuchserfahrung integriert werden.
Diese Aktivitäten schaffen zusätzliche Erlösquellen neben dem Ticketverkauf und erhöhen die Auslastung des Gebäudes bei überschaubarem zusätzlichem Aufwand.
3. Soziale Barrieren senken und neue Besuchsgruppen aktiv erschließen
Viele Barrieren sind nicht finanziell, sondern sozial: Menschen würden gern kommen, wissen aber nicht, mit wem oder wie sie sich die Zeit dafür freischalten können. Zwei Modelle haben sich in der Praxis bewährt.
Ein Solo-Visitors-Club kann als bewusst gestaltetes Angebot für allein Besuchende die Hemmschwelle senken. Ein eigener Name, eine Ansprechperson, ein gemeinsamer Bereich im Foyer und ein abgestimmter Sitzbereich im Saal schaffen Orientierung und erleichtern den Zugang. Dadurch kann die Auslastung bestimmter Vorstellungen spürbar erhöht werden.
Auch eine Kinderbetreuung während ausgewählter Vorstellungen kann neue Zugänge schaffen. Betreute Kinderangebote parallel zur Vorstellung ermöglichen Eltern den Theaterbesuch und generieren zusätzliche Ticketerlöse, während sich die Betreuung mit moderatem Aufwand organisieren lässt.
So werden neue Zielgruppen aktiviert und Auslastung und Erlöse steigen, ohne besondere Rabatte oder grundlegende Programmänderungen.
Die Eigenfinanzierungskrise ist ein Signal, die Einnahmenseite neu zu denken. Eine gezielte Verschiebung der Marketingmittel, soziale Zugangsangebote, und die Vermietung von Räumlichkeiten können bereits innerhalb einer Saison sichtbare Effekte erzeugen. actori unterstützt Theater und Kulturinstitutionen dabei, passende Maßnahmen zu identifizieren und in konkreten Pilotprojekten umzusetzen.