Museen stehen heute vor der Herausforderung, ihre gesellschaftliche Relevanz und die damit verbundene Rolle neu zu definieren – und dies sichtbar gegenüber Bund, Ländern und Kommunen zu vertreten. Neben den etablierten Aufgaben des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns rückt eine neue gesellschaftliche Wirkungsdimension in den Fokus: Aktuelle Forschungsergebnisse und internationale Praxisprojekte zeigen, dass Museumsbesuche nicht nur kulturpolitisch wirken, sondern auch zur psychischen und physischen Gesundheit der Besuchenden beitragen.1
Die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas könnte aktueller kaum sein. Etwa ein Drittel aller Deutschen geben an, psychisch erkrankt zu sein, der Anteil bei den 18- bis 24-jährigen liegt bei über 50%.2 Die Zahlen verdeutlichen, dass psychische Gesundheit längst zu einem zentralen Belastungsthema unserer Gesellschaft geworden ist. Umso mehr sind der öffentliche Sektor und die Politik gefordert, präventive Maßnahmen zu entwickeln, die niedrigschwellig und breit zugänglich sind. Genau hier können Museen einen wichtigen Beitrag leisten.
Die Idee des „healing museum“ (deutsch: „heilendes Museum“) steht für eine neue, erweiterte Perspektive auf die Relevanz und Rolle musealer Räume. In solchen Museen erfüllen Kunstpräsentation und Raumgestaltung nicht nur ästhetische, sondern auch therapeutische Funktionen. Aspekte wie Achtsamkeit, Entschleunigung und soziale Teilhabe rücken – neben den klassischen kulturpolitischen und -pädagogischen Zielen – verstärkt ins Zentrum des Museumserlebnisses. Museen sind heute nicht nur Räume des Lernens, der Inspiration oder der Freizeitbeschäftigung, sondern auch Orte, die die psychische und physische Gesundheit stärken, Regeneration ermöglichen und zur Genesung beitragen. Ein gleichermaßen aktuelles, wie herausragendes Beispiel für diese Entwicklung ist die aktuelle Dauerausstellung „Das heilende Museum – Achtsamkeit und Meditation im Kunstraum“ im Bode-Museum Berlin. In Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité-Universitätsmedizin Berlin wurde dort ein wissenschaftlich begleiteter Experimentierraum geschaffen, der die gesundheitliche Wirkung von Kunst und Achtsamkeit gezielt erfahrbar macht. Die Ausstellung verbindet historische Kunstwerke mit konkreten Achtsamkeitsübungen: Eigens eingerichtete Meditationsräume und digitale Angebote, etwa Audioguides, die kostenlos über Smartphone oder Webseite abrufbar sind, laden dazu ein, das Museum als Raum der inneren Sammlung zu erleben. Ziel ist es, die gesundheitliche Wirkung von Kunst messbar zu machen und so neue Wege zu entwickeln, wie Museen auf die psychologischen Bedürfnisse ihrer Besuchenden wirken können, um zu Akteuren und Akteurinnen im gesellschaftlichen Diskurs rund um mentale Gesundheit und Lebensqualität zu werden.
Dass dieses Potenzial real ist, zeigen inzwischen auch zahlreiche internationale Studien. 2015 untersuchten bereits Helen Chatterjee und Paul Camic, Professoren für Psychology and Public Health an der Canterbury Christ Church University, in einer Studie das gesundheitliche und psychologische Wirkungspotenzial von Museen und Galerien.3 Ihre Ergebnisse belegen, dass Museumsbesuche durch den Abbau von Stress, die Förderung sozialer Interaktion sowie den Aufbau positiver Emotionen wie Hoffnung, Freude und Selbstwertgefühl die psychische Gesundheit stärken. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Künste spielen eine bedeutende Rolle bei der Prävention von Krankheiten, der Förderung der psychischen und physischen Gesundheit sowie der Behandlung und dem Umgang mit Erkrankungen über alle Alters- und Gesellschafts-
gruppen hinweg.4
Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse sind auch für die strategische Kulturplanung relevant. Angesichts der Herausforderungen vieler musealer Einrichtungen, ihre gesellschaftspolitische Rolle und Relevanz gegenüber Politik und Fördergebenden nachweisen zu müssen, eröffnet die Idee, Museen als Möglichkeitsort für und als Hebel psychischer Gesundheit zu sehen, eine neue gesellschaftliche Wirkungsdimension von Museen.
actori begleitet Museen, Kulturinstitutionen und öffentliche Auftraggebende dabei, eben diesem Anspruch gerecht zu werden und sich an der Schnittstelle von Forschung, Praxis und Strategie zukunftsfähig zu positionieren. In der Erarbeitung von Nutzungskonzepten, der Begleitung von Machbarkeitsstudien sowie bei der Entwicklung von Strategien zur Wirkungsorientierung und Relevanzargumentation fließt unsere interdisziplinäre Expertise mit dem Ziel ein, Museen nicht nur als Ausstellungsorte, sondern als Akteure mit gesellschaftlicher Wirkung, gesundheitlicher Relevanz und Zukunftsbedeutung zu verstehen – und diese Wirkung auch gegenüber Fördergebenden überzeugend zu vermitteln. Die Arbeit von actori basiert auf der Überzeugung, dass kulturelle Angebote nicht nur erhalten und gestärkt, sondern auch weitergedacht und entwickelt werden müssen.
Als führende Strategieberatung in den Bereichen Kultur, Bildung und Entertainment wissen wir: Der Erfolg von Museen wird sich zukünftig auch daran messen, inwieweit sie auf die Bedürfnisse einer sich wandelnden Gesellschaft eingehen und Antworten auf Fragen nach Lebensqualität, Identität und psychischer und physischer Genesung liefern. Museen sind für unsere Gesellschaft wichtiger denn je – und eben hier sieht actori eine große Chance für museale (und kulturelle) Einrichtungen: über die klassischen kulturpolitischen Aufträge hinaus ihr gesellschaftliches Wirkungspotenzial sichtbar zu machen und zu entfalten. actori steht Museen als strategische Partnerin zur Seite, um diesen Weg mitzugestalten – datenbasiert, interdisziplinär und mit dem Blick für das Wesentliche: Räume zu schaffen, die wirken.
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Ein Beitrag von Dr. Clara Teresa Pollak, Beratung.