Das Projekt „Verbindungen fördern“ wurde vom Bundesverband Freie Darstellende Künste e. V. initiiert und wird von 2020 bis 2025 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestags finanziert.
Bei dem Projekt geht es um die Förderung von Vernetzung, Qualifizierung und Wissensaustausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren der Freien Darstellenden Künste – länderübergreifend und netzwerkbasiert.
Im Rahmen eines dafür aufgesetzten Qualifizierungsprogramms „Verbindungen fördern“ hat actori zum Thema „Chancen und Grenzen bei der privaten Finanzierung für Netzwerke darstellender Künste“ einen Impulsvortrag gehalten.
Das Qualifizierungsprogramm richtet sich an Akteurinnen und Akteure der Freien Darstellenden Künste und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, eigene Fragen einzubringen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Strategien für eine zukunftsfähige Finanzierung von Netzwerken in der Kulturbranche zu entwickeln.
Das Ziel des Vortrags war es, Chancen und Grenzen in der Akquise privater Fördermittel für Netzwerke der Freien Darstellenden Künste unter Berücksichtigung der besonderen Rahmenbedingungen zu prüfen.
Gegenstand des Vortrags waren mit unter unterschiedliche Formen der privaten Finanzierung beziehungsweise Unterstützung, von Fundraising und Sponsoring, über Spenden, Corporate Volunteering und Crowdfunding. Insbesondere die organisatorischen Anforderungen für die Erschließung der privaten Finanzierungsquellen wurden erläutert und gleichzeitig erörtert, ob und inwiefern sie sich für die Netzwerke Freie Darstellende Künste eignen. Dabei wurde deutlich, dass alle Finanzierungsformen personelle Ressourcen benötigen und eine Investition notwendig machen, bevor erste finanzielle Erfolge erzielt werden können. Es ist für Netzwerke durchaus herausfordernd, erfolgreiches Sponsoring aus eigenen Kräften zu betreiben, da sie wenig Zugriff auf künstlerische Produkte oder Veranstaltungsorte haben und somit kaum attraktive Gegenleistungen potenziellen Unterstützenden anbieten können. Zudem ist die Finanzierung von Personal und Infrastruktur für Sponsorinnen und Sponsoren wenig reizvoll. Um diese Herausforderungen zu überwinden, empfiehlt sich eine enge Einbindung der einzelnen Netzwerkmitglieder sowie eine kreative Ausgestaltung der Fördermodelle. So kann das Netzwerk gegenüber Sponsoren als Vermittler auftreten, während die Mitglieder die konkreten Leistungen erbringen. Dadurch entstehen attraktive Förderzwecke. Alternativ kann das Netzwerk als Veranstalter gemeinsamer Projekte agieren, die für Sponsoren und Sponsorinnen interessanter sind.
Ein anschauliches Beispiel für eine erfolgreiche Spendenakquise ist der jährliche Adventskalender gemeinnütziger Netzwerke. Dabei wird ein eigens gestalteter Kalender zum Festpreis verkauft. Die Einnahmen fließen in den Spendentopf des Vereins. Hinter jedem Türchen verbirgt sich zudem die Chance auf einen (gespendeten) Gewinn. Das Format bindet ein breites Publikum ein und aktiviert zugleich Netzwerk-Mitglieder durch eigene Beiträge für die einzelnen Türchen (z. B. Studiobesuche, Freitickets). So entsteht eine niederschwellige Kontaktbrücke zu potenziellen Fördernden und ein gemeinschaftliches Selbstfinanzierungsmodell.
Ein weiteres vorgestelltes Best-Practice-Beispiel ist die Corporate-Volunteering-Kooperation zwischen dem Kulturraum München und der State Street Bank International GmbH. Hier engagieren sich Mitarbeitende der Bank regelmäßig in den sogenannten „GästeCafés“ des Kulturraums. Neben praktischer Unterstützung wird pro Einsatz eine finanzielle Förderung gezahlt, gefolgt von einer größeren Spende am Jahresende. Dieses Modell bringt dem Netzwerk nicht nur direkte finanzielle Mittel, sondern ebnet als erster Kontaktpunkt auch den Zugang zu Unternehmen. Corporate Volunteering entfaltet somit eine doppelte Wirkung: Es schafft gesellschaftliches Engagement und ermöglicht langfristige Unternehmenskooperationen, die über reine Geldspenden hinausgehen.
Ausgangspunkt des Vortrags war eine Bestandsaufnahme der bereits bestehenden Fundraising- und Sponsoring-Aktivitäten sowie eine Überprüfung interner Strukturen und Ressourcen von Netzwerken. Es wurden differenzierte Angebotsformate für Sponsoring und Fundraising entwickelt, die gezielt auf Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen zugeschnitten sind. So konnten attraktive Gegenleistungen wie Networking-Möglichkeiten, exklusive Veranstaltungsformate und kommunikative Mehrwerte eingebunden werden. Ergänzend hierzu sind Maßnahmen zur Partnerbindung konzipiert worden, die unter anderem eine persönliche Betreuung, transparente Kommunikationsstrukturen sowie eine regelmäßige Evaluation und Dokumentation der erbrachten Leistungen und der Verwendung der Mittel umfassen. Die Besonderheiten von Sponsoring und Fundraising für Netzwerke lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Ressourcenmanagement: Der Aufbau einer professionellen Struktur ist für die erfolgreiche Mittelakquise unverzichtbar. Zu Beginn bedarf es daher einer Investition (in Personal), um geeignete Kontakte zu identifizieren und zu akquirieren. Die dauerhafte Pflege von Partnerschaften bindet weiterhin personelle Ressourcen, zahlt aber auf die nachhaltige Entwicklung der Sponsoring-Aktivitäten ein.
- Solidarisches Modell: Private Mittel werden zentral durch das Netzwerk akquiriert, wobei ein Teil für die Finanzierung des Netzwerks verwendet und der Rest gezielt an Mitglieder oder deren Projekte ausgeschüttet wird. Die Mitglieder profitieren von professioneller Akquise, während Doppelarbeit und Konkurrenzsituationen vermieden werden.
- Kreative Fördermodelle: Entwicklung eines projekt- und vermittlungsbasierten Sponsoringmodells, das auf die spezifischen Interessen von Unternehmen und Stiftungen eingeht und den gesellschaftlichen Beitrag von Netzwerken sichtbar macht.
- Chancen: Ein starkes Netzwerk bündelt Kompetenzen, erhöht die Attraktivität gegenüber Fördernden, erschließt neue Zielgruppen und generiert Synergien durch gemeinsame Kommunikationskanäle.
–
Ein Vortrag von Marietta Schoenberg und Dr. Dimitra Will im Rahmen des Förderprogramms „Verbindungen fördern“ des Bundesverbandes Freie Darstellende Künste (BFDK).