Lange galten Hochschulen und insbesondere Schulen als geschlossene Systeme im Stadtbild. Doch der gesellschaftliche Wandel erfordert neue Konzepte: Bildungseinrichtungen entdecken sich als lebendige Dritte Orte neu, die weit über ihre klassische Funktion hinausgehen. Die Öffnung für die Stadtgesellschaft kann dabei eine strategische Antwort auf soziale Fragmentierung, Innenstadtverödung und den Mangel an Begegnungsräumen sein.
Drei Strategien der Öffnung: Beispiele aus der Praxis
1. Die offene Hochschule: Öffnung durch Teilung von Ressourcen
Zwei aktuelle Beispiele zeigen, wie Hochschulen ihre Infrastruktur bewusst für die Stadtgesellschaft öffnen. Die Evangelische Hochschule (EvH) Bochum hat sich in den letzten Jahren konsequent als offener Ort im Quartier positioniert. Die Mensa steht auch Nachbarinnen und Nachbarn aus den umliegenden Häusern offen, öffentliche Veranstaltungen für ein breites Publikum gehören zum festen Programm. Die Hochschule versteht sich dabei explizit als „Demokratieraum" – als Ort des Austauschs und Diskurses weit über den akademischen Betrieb hinaus.
Einen etwas anderen Ansatz verfolgt die Hochschule Niederrhein in Krefeld: Hier wird der Campusgarten am Frankenring schrittweise zu einem gemeinschaftlich gestalteten Treffpunkt für Studierende und die Nachbarschaft entwickelt. Anwohnerinnen und Anwohner wurden eingeladen, den Ort gemeinsam mit Lehrenden und Studierenden zu konzipieren – ein partizipativer Prozess, der die Hochschule sichtbar in der Stadtgesellschaft verankert. Beide Beispiele zeigen: Öffnung bedeutet nicht zwingend große Investitionen, sondern vor allem einen bewussten Kulturwandel im Umgang mit vorhandenen Ressourcen und Flächen.
2. Die integrierte Schule: Öffnung durch Verschmelzung mit dem Quartier
Der BOB-Campus in Wuppertal zeigt, wie Öffnung durch vollständige Integration gelingen kann. Auf dem Gelände einer ehemaligen Textilfabrik entstand ein Campus, der Wohnen, Arbeiten und Bildung verbindet. Die Max-Planck-Realschule ist hier kein isolierter Baukörper, sondern integraler Bestandteil eines Ökosystems, das sie sich mit einer Kita, Ateliers, Coworking-Spaces und der Stadtteilbibliothek teilt. Die Schule nutzt nicht nur die professionellen Werkräume des Campus, sondern ist selbst Teil des öffentlichen Lebens. Dieses Modell zeigt, wie durch gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung von Beginn an offene und synergetische Bildungslandschaften entstehen können.
3. Der geteilte Raum: Öffnung durch gezielte Freigabe von Flächen
Der pragmatischste Ansatz liegt in der Öffnung von Schulhöfen außerhalb der Unterrichtszeiten. Dieser Trend wird in vielen deutschen Städten erfolgreich umgesetzt. Ein prominentes Beispiel ist München: Unter dem Programmnamen „Vom Schulhof zum Spielhof" haben bereits 55 städtische Schulen ihre Außenanlagen für die Nachbarschaft geöffnet. Auch in Dresden läuft am Gymnasium Plauen ein entsprechendes Pilotprojekt. Gerade in dicht besiedelten Gebieten schafft dies dringend benötigte, altersübergreifende Bewegungs- und Begegnungsräume. Dieser niederschwellige Ansatz zeigt, dass mit klaren Regeln zu Sicherheit und Nutzung auch einzelne Flächen eine Wirkung für das soziale Miteinander im Quartier entfalten können.
Strategische Planung für eine gelungene Transformation
Die Entwicklung von Bildungseinrichtungen zu Dritten Orten erfordert strategische Planung. Partnerschaftliche Kooperationen, professionelles Community-Management, flexible Raumkonzepte, klare Nutzungsvereinbarungen und eine gesicherte Finanzierung sind entscheidend. actori begleitet diesen Prozess mit Machbarkeitsstudien, Bedarfsanalysen und der Entwicklung passgenauer Nutzungs- und Raumkonzepte. Dabei ist es uns besonders wichtig, die relevanten Interessengruppen in geeigneten Partizipationsprozessen zu beteiligen und zu informieren. Mit der Entwicklung tragfähiger Betriebs- und Betreibermodelle und Business-Planungen sichern wir die wirtschaftliche Tragfähigkeit ab – für eine erfolgreiche Transformation von der ersten Idee bis zur nachhaltigen Umsetzung.
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Ein Beitrag von Amélie Strobel, Projektleitung.