Kontext
Die Glocke ist eine der wichtigsten Kultureinrichtungen Bremens und ein international renommiertes Konzerthaus. Nach rund 30 Jahren intensiver Nutzung seit der letzten umfangreichen Sanierung muss die Glocke in den kommenden Jahren zwingend erneuert und funktional den aktuellen Anforderungen angepasst werden. Das betrifft neben verpflichtenden Themen wie dem Brandschutz auch die Nutzbarmachung des Kleinen Saals und die Anpassung an die sich verändernden Bedarfe von Veranstaltenden und Besuchenden. Durch eine Ertüchtigung mit Weiterentwicklung kann sich Die Glocke zu einem offeneren und belebten Ort wandeln und dabei helfen, die vielfältige Bremer Gesellschaft zusammenzuführen und einen wertvollen Beitrag für die Innenstadtentwicklung zuleisten. actori sollte im Rahmen einer Machbarkeitsstudie Rahmenbedingungen und Potenziale für die Ausgestaltung der Glocke darstellen und auf Ihre Machbarkeit hin bewerten.
Vorgehen
Gemeinsam mit unserem Partner Raum+Szene wurden unterschiedliche Szenarien für die inhaltliche, räumliche, funktionale und betriebliche Aufstellung der Glocke entwickelt, zentrale Entwicklungspotenziale identifiziert und ihre Machbarkeit auch mit langfristiger Perspektive beurteilt. Insgesamt wurden zur Erarbeitung der Machbarkeitsstudie über 35 Interviews mit relevanten Vertretenden der Glocke und ihren (potenziellen) Nutzenden, der Stadt Bremen sowie externen Stakeholderinnen und Stakeholdern geführt, um die unterschiedlichen Perspektiven, Erwartungen und Anforderungen an ein Konzerthaus Glocke und dessen Weiterentwicklung aufzunehmen. Zur Einordnung der Zielstellungen und Ableitung von Erfolgsfaktoren erfolgte eine Benchmark-Betrachtung. Die Arbeitsergebnisse basieren darüber hinaus auf einer breiten internen Datenanalyse (z. B. Veranstaltungsanzahl aber auch Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung, Standortfaktoren, Trends) sowie einer Untersuchung der Rahmenbedingungen am Standort. Schlussendlich wurden zwei Szenarien ausgearbeitet, um vor dem Hintergrund begrenzter räumlicher Entwicklungsmöglichkeiten unterschiedliche inhaltliche Ausgestaltungsmöglichkeiten aufzunehmen. Beide Szenarien wurden detailliert auf ihre Konsequenzen inhaltlicher, infrastruktureller, betrieblicher und finanzieller Art hin untersucht, um eine Entscheidungsgrundlage zu haben.
Mehrwert
- Die Studie stellt dar, wie die Glocke von einem abendlichen Konzerthaus zu einem offenen, ganztags belebten Ort weiterentwickelt werden kann, um eine stärkere Verbindung in den Stadtraum und die Stadtgesellschaft zu erreichen.
- Impulse zur Einbindung bisher wenig angesprochener, jüngerer Besuchergruppen sprechen eine bis dato neue Zielgruppe an und schaffen eine neue Dimension von Niedrigschwelligkeit.
- Das Projekt unterstützt die Strategie Bremens 2030+ (Innenstadtentwicklung) und bildet Ausgangspunkt einer Kulturmeile zwischen Weltkulturerbe und Viertel und stärkt so die Verbindung zwischen den „kulturellen Schätzen“ Bremens.
- Durch die in Varianten dargestellten Maßnahmen sowie eine moderne Programmplanung, können die Förderkriterien des Bundes voraussichtlich erfüllt werden, einer Bewilligung des Bundes bis Ende 2026, kann damit positiv entgegengeblickt werden.
- Das Konzerthaus Die Glocke und seine Außenräume könnten durch die dargestellten Maßnahmen zur Ertüchtigung gestalterisch und funktional aufgewertet werden.
- Die Machbarkeitsstudie unterstützt den weiteren Entscheidungsfindungsprozess zur konzeptionellen Ausgestaltung der Zukunft der Glocke. Mittlerweile wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt und Mittel für den weiteren Planungsprozess bereitgestellt.
Umsetzung
Das Architekturbüro JSWD Architekten (Köln) und Gina Barcelona Architects (Barcelona) haben den europaweiten Planungswettbewerb für die Neugestaltung des Bremer Konzerthauses Die Glocke gewonnen. actori konnte als Expertin in der Fachjury diesen Prozess im Jahr 2024 begleiten.
Im Juni 2025 hat der Bremer Senat nun beschlossen, rund 5 Millionen Euro für die Weiterentwicklung des Konzerthauses bereitzustellen – konkret für die nächsten Planungsphasen eines möglichen Um- und Neubaus. Eine wichtige Weichenstellung für eines der bedeutendsten Konzerthäuser Deutschlands.
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Das Projekt wurde umgesetzt von Julius Geiger, Beratung, Franziskus Linsmann, Projektleitung und Frank Schellenberg, Geschäftsleitung.