Kontext
Die Theater und Philharmonie Essen GmbH (TUP) zählt mit ihren fünf künstlerischen Sparten zu den bedeutenden Mehrspartenhäusern im deutschsprachigen Raum. Wie viele Kulturbetriebe steht auch die TUP vor der Aufgabe, auf veränderte finanzielle Rahmenbedingungen strategisch und strukturell zu reagieren. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage der Stadt Essen beschloss der Rat die Erarbeitung eines Maßnahmenkonzepts zur nachhaltigen finanziellen Konsolidierung der GmbH. Zugleich fehlte eine gemeinsame strategische Perspektive für die zukünftige Entwicklung des Hauses. Die zentrale Herausforderung bestand darin, tragfähige Wege zur wirtschaftlichen Stabilisierung zu entwickeln und gleichzeitig alle fünf Sparten sowie die künstlerische Leistungsfähigkeit der TUP zu sichern.
Vorgehen
actori begleitete die TUP und die Stadt Essen über einen Zeitraum von rund sechs Monaten in einem dreistufigen Prozess. Zu Beginn wurde auf Basis einer umfassenden Datenanalyse sowie über 20 Interviews ein fundiertes Bild der wirtschaftlichen und organisatorischen Lage im Status quo erarbeitet. Ein Benchmarking mit acht vergleichbaren Institutionen ermöglichte die Einordnung zentraler Kennzahlen in den Bereichen Angebot, Personal und Finanzen. Darauf aufbauend wurden qualitative und quantitative Optimierungsansätze entwickelt und in Teilen in einem spartenübergreifenden Workshop mit rund 20 Teilnehmenden aus TUP und Stadtverwaltung gemeinsam diskutiert und weiter geschärft. Die Analyse identifizierte für die Spielzeit 2030/31 Optimierungspotenziale in Höhe von mehreren Millionen Euro. Diese Maßnahmen stellen keine signifikanten Einschnitte für den Betrieb da, sondern beinhalten Einnahmensteigerungen wie Anpassungen des Programms, Steigerung der Ticketeinnahmen und Ausbau der Drittmittel- und Vermietungsaktivitäten sowie Kostensenkungen in Form von Personaleinsparpotenzialen, weiteren Personalmaßnahmen und Sachkostenoptimierung. Im Anschluss daran entwickelte actori drei Zukunftsszenarien und bewertete diese hinsichtlich ihrer finanziellen, künstlerischen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Ergebnisse wurden vor dem Aufsichtsrat der TUP sowie im Rahmen einer interfraktionellen Informationsveranstaltung vorgestellt; sie bilden eine fundierte Grundlage für die politischen Entscheidungen zur strukturellen Weiterentwicklung des Hauses.
Mehrwert
- Die Untersuchung inklusive des Benchmarkings mit acht Vergleichsinstitutionen schuf Transparenz über die Positionierung der TUP und machte konkrete Handlungsfelder für Konsolidierung und Optimierung sichtbar.
- Die identifizierten szenarienunabhängigen Optimierungspotenziale ermöglichen bereits vor einer politischen Entscheidung erste Schritte zur Ergebnisverbesserung einzuleiten.
- Die Zukunftsszenarien bieten der Gesellschafterin und dem Rat der Stadt Essen eine belastbare und transparente Entscheidungsgrundlage für die strukturelle Weiterentwicklung der TUP.
- Die Bewertung finanzieller sowie künstlerischer und gesellschaftlicher Auswirkungen unterstützt eine ausgewogene und tragfähige politische Entscheidungsfindung.
Das Projekt wurde umgesetzt von Matthias Gutheil und Michaela Herrmann, Beratung sowie Dr. Nora Pähler vor der Holte, Associate Partner.